Tiere

Wärmestube

Falters Zoo | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015


Probleme löst man am einfachsten, indem man einen Schuldigen findet. Das geht am Beispiel des Klimawandels so: Zuerst lag es nahe, Fahrzeuge, die mit fossiler Energie angetrieben werden, als Verursacher der globalen Erwärmung zu vermuten. Immerhin entstehen jede Sekunde
2,6 neue Autos, jährlich sind das etwa 82 Millionen. 2015 gibt es fast 1,2 Milliarden Pkw und Lkw, die zusammen ca. 3,5 Milliarden Tonnen CO2 produzieren. Das schaut in einem Indizienprozess nicht gut aus für den Angeklagten. Aber dann schlug das Imperium zurück und fand einen anderen Verdächtigen: Rinder.

Jede Kuh erzeugt in ihrem Pansen pro Tag bis zu 500 Liter Methangas. Das addiert sich bei etwa 1,5 Milliarden Rindern weltweit auf circa fünf Millionen Tonnen, die in die Atmosphäre abgegeben werden. Und Methan ist 25-mal klimaschädlicher als CO2. Schuldig! Anfangs war das eine tierische Lachnummer, weil viele dachten, die Kühe würden das Gas vor allem durch den Darm freigeben (furzen, haha!). Dabei entsteht das Methan durch Bakterien beim Zelluloseabbau und wird beim Wiederkäuen ausgeatmet. Rülpsen, haha! Nein, auch das nicht, das geruchlose Gas wird gleichmäßig freigesetzt.

Genau genommen sind es auch gar nicht die Kühe, die das Methan erzeugen, sondern symbiotische Bakterien, die in deren Mägen die Pflanzenfasern in einzelne Bestandteile zerlegen. Dagegen entwickelte man einen sogenannten Methaninhibitor, den man zuerst als Impfstoff (zu teuer) und jetzt als Futterzusatz den Kühen geben will, um so die Gasproduktion um bis zu 30 Prozent zu senken. Vielleicht hat hier jemand auch nur zu wenig Sauerstoff beim Denken gehabt? Kühe sind keine Autos! Kühe auf der Weide halten jenes Grünland intakt, das auch große Mengen Kohlenstoff speichert. Eine viel größere Bedrohung für das Klima entsteht durch Lachgas: Dieses ist sogar fast 300-mal schädlicher als CO2 und wird vor allem beim Ausbringen von Kunstdünger für das Turbowachstum der Monokulturen freigesetzt. Und mehr als ein Drittel der weltweiten Getreideernte wird an Rinder und Schweine verfüttert.

Ob Kühe das Klima killen oder retten, hängt also ganz wesentlich davon ab, wie sie gehalten werden. Weiden sie auf nur durch Kuhfladen gedüngtem Grünland, das als Kohlendioxidspeicher funktioniert, gleicht diese Kohlenstoffsenke das bei der Verdauung produzierte Methan mehr als aus.


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