Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015

Der Schauspieler Tobias Moretti hat die Vorlage gut studiert. In dem Biopic "Luis Trenker - Der schmale Grat der Wahrheit" spielt er den Südtiroler Bergpionier und Filmemacher als charmanten Hallodri, der das Kunststück schaffte, nach 1945 seine propagandistische Arbeit für Hitler und Mussolini als subversiven Akt des Widerstands zu verkaufen. Bergsteigerfilme haben gewöhnlich das Problem, dass sie dramaturgisch zwischen Steilhang und Gletscherspalte hängenbleiben.

Regisseur Wolfgang Murnberger vermeidet diese Falle, indem er den kulturpolitischen Hintergrund von Trenkers künstlerischer Arbeit einblendet. In unaufdringlichen Retrobildern folgt er den Alleingängen Trenkers in die Kanzleien der Nazibonzen. Vom Karriereende in den TV-Stuben der Nachkriegszeit her erzählt, ruft dieser punktgenaue Film Trenker als Symbolfigur postfaschistischer Trauerarbeitsverweigerung in Erinnerung. Auf den Leichenbergen die Alpenrosen glüh'n.


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