Kunst Kritik

Corporate Collecting: Hase mit Löwenaugen

Lexikon | NS | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015

Es ist schon wieder zehn Jahre her, dass der Stromkonzern EVN seine Kunstsammlung erstmals ausgestellt hat. Zum 20-Jahr-Jubiläum werden nun in der Kunsthalle Krems unter dem Titel "Now, at the latest" rund 50 der 300 Kunstwerke gezeigt. Die Firmenkollektion tritt dort viel gewagter auf als seinerzeit im Mumok. Kein Wunder, stammt das Display doch von Künstler Markus Schinwald, selbst Mitglied der EVN-Ankaufsjury.

Den ersten Saal dominiert eine Sockellandschaft. Für die Auswahl der darauf präsentierten Kunstwerke wurden mit der Sammlung in Verbindung stehende Persönlichkeiten nach ihrem Lieblingswerk gefragt. Die so entstandene Auswahl ist freilich bunt zusammengewürfelt, bietet aber durch die Gestaltung eine reizvolle Entdeckungstour. Zu den seit 1995 am stärksten im Marktwert gestiegenen Werken zählt Maurizio Cattelans Hasenskulptur "Richard I.", die normalerweise im EVN-Vorstandsbüro durch ihre unheimlichen Löwen-Glasaugen blickt. Die jüngste Erwerbung hier stellt die tischartige Marmor-Stahl-Skulptur "Occasional Zombie Banquet Table Rape Yellow" der rumänischen Künstlerin Andra Ursuta dar, die auch als Architekturmodell für ein Mausoleum durchgehen könnte.

Im weiteren Verlauf der gelungenen Schau herrscht Dunkelheit vor. Die Wände sind mit schnellen dunkelblauen Pinselstrichen bedeckt, was einen eigenwilligen Raumcharakter erzeugt. Ein Fokus liegt nun auf Videoarbeiten, viele echte Highlights. So etwa Anri Salas "Uomo Duomo", der einem schlafenden Obdachlosen im Mailänder Dom ein Denkmal setzt, oder Florian Pumhösls Video "Lac Mantasoa", das einen gefluteten Industriekomplex auf Madagaskar mit Unterwasseraufnahmen ins Bild setzt. In die Tiefe eines Labors führt Ann-Sofi Sidéns mysteriöser Farbfilm "QM, I think I call her QM".

Kunsthalle Krems; bis 6.3.


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