Neue Bücher

Unsicherheit und Trauer

Feuilleton | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015

Wenn man alles, was die Welt bewegt, auf einmal erklären will, geht das meistens nicht gut. Bei Natalie Knapps neuem Buch ging es sogar gründlich schief. Sie will erklären, warum Veränderung so wichtig für uns ist und schlägt den Bogen von der Natur ("Der Frühling zeigt uns also, dass es vernünftig ist, Hoffnung zu haben"), über das Leben von der Geburt bis zum Tod ("Die Geburt ist der Übergang in die menschliche Gesellschaft"), zur Liebe ("Die Liebe ist ein komplexes Phänomen") und zur Trauer ("Die Trauer lehrt uns den Tod ernst zu nehmen").

Ihre Ausführungen kulminieren in einem Kapitel über die Gesellschaft und ihre Wandlungen: "Wir entscheiden uns nicht freiwillig für ein Weltbild, sondern wachsen hinein." Nichts ist falsch, was Knapp schreibt, es ist bloß pathetisch und oberflächlich und pseudo-philosophische Selbsthilfeliteratur. Am Ende lernen wir, dass wir uns unsere Lebenszeit nicht stehlen lassen sollen. Ein wahres Wort. SP

Die Lektüre dieses Buches ist eine Zumutung. Es liegt am Gegenstand, der in der Öffentlichkeit wegen seiner Unfassbarkeit kaum eine Rolle spielt: der Tod von Kindern.

Studenten der Sprachkunst an der Angewandten haben sich nun in neun Essays mit diesem Tabu auseinandergesetzt. Die Herangehensweisen sind unterschiedlich und reichen von der Rekonstruktion eines betroffenen Ich-Erzählers bis hin zur literarischen Aufarbeitung. Die Ursachen sind unterschiedlich, die Kinder und Jugendlichen sind entweder schwer erkrankt oder aufgrund eines Unglücks zu Tode gekommen. Auch wenn bei den Verantwortlichen beim Unfall der Aspekt des Selbstvorwurfes stärker ausgeprägt ist als bei der Krankheit, ist die emotionale Erschütterung, die folgt, immer tiefgreifend. Vielleicht könnte "Hell Dunkel Blau" eine Art Ratgeber für jene sein, die nicht direkt betroffen sind und sich dennoch diesem Thema ausliefern wollen. MS


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