Kommentar Kulturbudget

Plötzlich steht am Heldenplatz ein neues Museumsquartier

Falter & Meinung | Stefanie Panzenböck | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015

Wieder einmal überlebt der Etat für Kunst und Kultur alle Einsparungen. Heuer holte sich Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) noch zusätzlich drei Millionen Sonderbudget vom Finanzminister.

Da einige Verbindlichkeiten nächstes Jahr wegfallen - etwa der Kredit für das Museumsquartier (MQ) -, können weitere 18,5 Millionen Euro umverteilt werden. Das meiste fließt zu den Bundestheatern, ihre Basisabgeltung wird um 14 Millionen Euro pro Jahr erhöht; auch das Technische Museum und das Filmmuseum dürfen sich über mehr Geld freuen. Es ist Ostermayer hoch anzurechnen, dass er in wirtschaftlich mühsamen Zeiten für die Kultur so viel erreicht hat.

Das eigentlich Brisante findet sich aber in seinen Plänen für die Umgestaltung des Heldenplatzes. Alles begann mit einer vermeintlichen Sparmaßnahme: Das Weltmuseum in der Neuen Burg um 27,5 Millionen Euro zu vergrößern sei zu teuer, sagte Ostermayer. Man werde von diesem Geld auch ein Haus der Geschichte (HdG) im selben Gebäude finanzieren. Tatsächlich wird nun allein das HdG, rechnet man alles zusammen, sogar etwas mehr kosten als das Weltmuseum in seiner ursprünglichen Planung, nämlich knapp über 28 Millionen Euro. 16,6 Millionen für das "Weltmuseum klein" kommen dazu.

Der gesamte "Heldenplatz neu" wird nach ersten Berechnungen 111 Millionen Euro kosten. Zum Vergleich: Das MQ war dem Bund 115 Millionen wert.

Aus einem Sparvorhaben wird also eine Rieseninvestition -im Prinzip ein gutes Signal. Doch bevor Wien mit einem zweiten Museumsquartier aufwacht, sollte die öffentliche Debatte nicht beim HdG haltmachen (siehe auch S.38).


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