Die Anatomie des Dr. DeWitt

Seufzende Gött er und sprechende Leichen: Ein Performanceabend auf der Akademie führte in die Welt des Übersinnlichen


Reportage: Matthias Dusini
Feuilleton | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015

Der Mensch denkt, Gott seufzt. Der Student Willhelm Binder steht in einer Nische des Stiegenhauses der Akademie der bildenden Künste. Er hat eine Toga an und nimmt die Pose eines antiken Gottes ein, ganz so wie jene Gipsfiguren, die die Treppe ursprünglich säumten.

Binder hat die Kunstgeschichte studiert und ist draufgekommen, dass der Seufzer in Texten zwar immer wieder vorkommt. Auf Bildern und in Skulpturen lässt sich diese Gefühlsäußerung jedoch nicht darstellen, also holt der Künstler dieses Versäumnis als Performance nach. Binder seufzt, während die Menge laut plaudernd in den Ausstellungsraum xhibit im ersten Stock der Akademie hinaufsteigt.

Hier findet die Ausstellung "Aufgerissenen Auges: Transmanieristische Reaktionen" statt, die sich, so der verstiegene Ausstellungstext, "in kritischer Verspieltheit mit zeitgenössisch-queeren Manierismen auseinandersetzt". Vergangene Woche fand im Rahmen der Schau ein ergänzender Performanceabend statt. "So etwas gibt es nur bei uns",

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