Weiter im Kontrastprogramm: Benefizspaß und poetisches Kreisen am Schauspielhaus

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015

Zuletzt gab es auf diesen Seiten eine Bilanz zum Start der neuen Intendanz am Grazer Schauspielhaus. Ergebnis war, dass die ersten Inszenierungen nur eines verbinde - formale Heterogenität. Jede Arbeit findet das Theater neu. Und auch "Benefiz oder Jeder rettet einen Afrikaner" und "Kreise/Visionen" könnten nicht unterschiedlicher sein.

Mathias Schönsee inszeniert mit Ingrid Lausunds "Benefiz" eine hochintelligente Komödie. Gezeigt wird die Probe zu einer Benefizveranstaltung, auf der Probe steht jedoch vielmehr die Kompetenz des Theaters als Botschafter der Moral. Der sprichwörtliche Blick hinter die Kulissen legt die Fragwürdigkeit einschlägiger Veranstaltungen ebenso frei wie Menschliches und Allzumenschliches. Doch er verfehlt seine Wirkung nicht. Auch weil Gerhard Balluch, Susanne Konstanze Weber und die Gäste Daniel Doujenis, Veronika Glatzner sowie Gideon Moaz den Abend spielfreudig über jede Untiefe heben (nächste Vorstellungen Mo, Do. 20.00).

Mit "Kreise/Visionen" von Joël Pommerat kehrt der geborene Grazer Dominique Schnizer als Regisseur an den Ausgangsort seiner Karriere zurück. Das Episodendrama vom vielfältigen Widerhall innerer Zweifel inszeniert er in einem opulenten Bilderreigen voll Schwermut und Poesie. Seine Hauptakteure: die virtuos bespielte Drehbühne (Ausstattung Christin Treunert) und ein Cello (Lana Beraković). Das Ensemble schultert den Anspruch, magisch gemeinte Theatermomente in geradezu filmischer Präzision auf die Bühne zu heben - mit Ausnahme weniger Längen -, gekonnt. Beeindruckend (nächste Termine Fr, Di, Mi 19.30).


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