Kunst Kritik

Gedämpftes Halali in der Kartonlounge

Lexikon | NS | aus FALTER 49/15 vom 02.12.2015

Die Akustik ist gedämpft, das Raumklima verdichtet: Peter Sandbichler hat das Entree der Galerie Thoman mit einer Kassettenstruktur aus selbstgebauten Kartonagen ausgekleidet. Der sonst übersehene Durchgangsbereich der Galerie wird so aufgewertet - ein gelungener Auftakt für Sandbichlers aktuelle Personale. Der 1964 in Tirol geborene Künstler arbeitet gerne mit modularen Elementen, die an modernistisches Design erinnern. Die Einladungskarte zur Ausstellung schmückt etwa eine gewellte schwarze Wandskulptur, die auch aus den Seventies stammen könnte. Aber ebenso ziehen ihn Materialexperimente an, bei denen der Faktor Zufall ins Spiel kommt.

Im aktuellen Fall hat er die Möglichkeiten des glasfaserverstärkten Kunststoffs GFK ausgelotet und dafür Negativformen produziert, die anschließend ausgegossen wurden. Das Ergebnis sind fünf übergroße Schädelskelette von Tieren, die er wie Trophäen an einer Wand präsentiert. Die Skulpturen mit dem Übertitel "Skulls" halten sich zunächst an die unterschiedlichen Spezifika der Stirn- und Wangenknochen von Gämse oder Bison, abstrahieren sie aber zum Beispiel bei den Hörnern. Schließlich schert ein Schädel ganz aus dem anatomischen Schema aus. Faszinierend ist auch die Oberfläche des verwendeten Materials, die an Porzellanrohlinge denken lässt. Eine weitere Serie der Ausstellung besteht aus runden Wandskulpturen, die durch ihre erhabenen Kreise an Zielscheiben erinnern. Fast könnte man meinen, Sandbichler hätte in seiner Schau den Gegensatz von moderner Lounge und Jagdstüberl im Sinn gehabt. Aber für diese Art vordergründigen Schmäh ist der Künstler nicht zu haben. Seinen Humor bringt er lieber in zerknautschter Form zum Ausdruck, wenn er Kisten ausgießt und daraus eine Sitzmöbelserie mit Namen "Alte Schachtel" kreiert.

Galerie Thoman, bis 9.1.


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