Mediaforschung Verführungskolumne

Zwei Kultwerbungen als Sinnbild für den UN-Klimagipfel

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 49/15 vom 02.12.2015

Ein Kind schreitet durchs Haus, es ist verkleidet als Darth Vader (das ist im Science-Fiction-Epos "Star Wars" der Oberböse mit den übernatürlichen Kräften). Es versucht, den Hometrainer mit seiner Gedankenkraft zu bewegen, aber der bleibt stehen. Der Haushund bleibt liegen. Die Puppe am Bett fällt nicht um. Der kleine Darth Vader scheitert.

Erst als Darth Vaders Vater seinen VW vor dem Haus parkt, erwacht die Macht. Das Kind streckt seine Arme Richtung Auto aus, das plötzlich zu blinken beginnt. Der kleine Bösewicht ist baff ob seiner Kraft. Dass sein Papa im Haus mit der Autoschlüssel-Fernbedienung dahintersteckt, der offensichtlich seinem Kind den Glauben ans Böse nicht nehmen will, weiß Klein-Darth-Vader nicht. Dieser Spot wurde 2011 ausgestrahlt und zählt zu den erfolgreichsten Werbungen aller Zeiten. Er vermengt drei Zutaten zur gelungen Kreation: Niedlichkeit, Humor, (versteckte) Prominenz.

Damit die süße Geschichte nicht die bittere CO2-Politik vernebelt, die VW schon damals betrieben hat (Lobbying gegen Abgas-Beschränkungen), reagierte Greenpeace rasch mit einer Gegenkampagne und führte die Geschichte fort: Die Kinder aus der Nachbarschaft, die sich als die guten Helden des "Star Wars"-Epos verkleidet haben, suchen Mini-Darth-Vader in seinem Vorgarten auf. Vor der VW-Abgasschleuder zücken sie schließlich ihre Laserschwerter.

Müsste man die beiden Grundsatzpositionen auf der UN-Klimagipfel in Paris mit zwei Werbungen beschreiben - es wären genau diese beiden.


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