Am Apparat Telefonkolumne

Soll man die Herkunft von Tätern nennen, Herr Bacher?

Politik | Interview: Florian Klenk | aus FALTER 49/15 vom 02.12.2015

Fünf Schüler stehen im Verdacht, eine Mitschülerin in Graz vergewaltigt zu haben. Qualitätsblätter haben den Migrationshintergrund der Verdächtigen nicht genannt. Übertriebene Political Correctness der Behörden, wie die FPÖ kritisiert? Oder doch nur der Versuch, Verbrechen dann nicht zu "ethnifizieren", wenn die Herkunft kriminalistisch keine Rolle spielt. Hansjörg Bacher, Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, erklärt seine Motive.

Herr Bacher, warum gaben Sie die Herkunft der Tatverdächtigen den Medien nicht bekannt?

Das war für mich eine ganz bewusste Entscheidung. In diesem Fall spielt die Herkunft - zumindest beim derzeitigen Verfahrensstand - einfach keine Rolle. Darüber hinaus haben die beschuldigten Jugendlichen ein Recht auf Persönlichkeitsschutz. Sie sind derzeit Verdächtige.

Wann outen Sie die Herkunft eines Täters?

Wenn es im Strafverfahren eine Rolle spielt. Wir hatten zum Beispiel einmal einen Sexualstrafprozess gegen einen Afghanen. Es stellte sich heraus, dass seine Sexualerziehung tatsächlich enorm unterentwickelt war, zumal auch deshalb, weil er streng religiös geprägt war. Da war die Herkunft wichtig, um der Öffentlichkeit den Fall zu erklären.

Wie verfahren sie bei den Dschihadistenprozessen?

Hier handelt es sich einerseits nicht mehr um Jugendliche, der Persönlichkeitsschutz tritt ein wenig zurück. Und sehr oft ist es auch wichtig zu wissen, ob es Islamisten mit tschetschenischem, bosnischem oder österreichischem Background sind.

Würden Sie den Medien verraten, ob ein Sexualstraft äter Flüchtling ist?

Das ist eine schwierige Frage. Ich würde vermutlich Rücksprache mit meinen Vorgesetzten halten und die Frage stellen, ob die Flüchtlingseigenschaft in diesem Fall eine Rolle spielt.


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