Radical Unchic

Das Museum moderner Kunst zeigt die 1990er als kritischen Projektraum und postkolonialen Copyshop - und bleibt dabei zu sehr am Material kleben

Feuilleton | Rezension: Matthias Dusini | aus FALTER 49/15 vom 02.12.2015

Aufgepasst, dieser Ausstellungstitel kann Ihre Konzentration beeinträchtigen: "to expose, to show, to demonstrate, to inform, to offer - Künstlerische Praktiken um 1990" nennt das Museum moderner Kunst (Mumok) eine Präsentation, die einem der spannendsten Kapitel der neueren Kunstgeschichte gewidmet ist - den 1990er-Jahren.

In dieser Ära bekam die zeitgenössische Kunst ein neues Gesicht. Der politische Aktivismus zog in das Museum ein, Symposien verdrängten die Malerei. Zeitschriften wie Vor der Information oder Springerin diskutierten die Thesen der britischen Cultural Studies, während Techno-DJs und Elektronik-Musiker von Clubunterhaltern zu "Kulturproduzenten" avancierten. Diskurs, Creative Industries und Crossover sind typische Nineties-Motive, die im kulturellen Selbstverständnis der Gegenwart - auch jenseits der Retro-Klischees über Slacker und Generation X -tiefe Spuren hinterlassen haben.

Der Kurator Matthias Michalka konzipierte die Mumok-Schau nicht als Dekadenspektakel,


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