Der barmherzige und blutrünstige Prophet

Der Islamkritiker Hamed-Abdel Samad rechnet mit Mohamed ab und rückt dabei vor allem dessen Schwächen und Herrschsucht ins Blickfeld

Politik | Rezension: Sebastian Kiefer | aus FALTER 49/15 vom 02.12.2015

Lange Zeit wusste man im Westen kaum etwas vom Wahhabismus, der 1932 in Saudi-Arabien zur Staatsdoktrin erhobenen Reformbewegung des 18. Jahrhunderts. Heute erstaunt es westliche Beobachter, wenn sie erfahren, dass die Ideologie des Islamischen Staats (IS) über alle geostrategischen Interessen hinaus der wahhabitischen so verwandt ist, dass saudische Prinzen zu den wichtigsten privaten Finanziers des IS gehören.

Derlei Radikalismus unislamisch zu nennen, ist als Abwehr eines Kollektivverdachtes legitim. Doch schon Schiiten des Mittelalters bildeten terroristische Sekten aus und der Wahhabismus ist eine "Auslegung" der Schriften, die vermutlich nicht mehr und nicht weniger Recht besitzt, die Heilsbotschaft auf Erden zu vertreten, als etwa der Calvinismus im Christentum. Umgekehrt können nur ignorante Denunzianten den Calvinismus als Beweis für eine unterdrückerische und fanatische Natur des Christentums im Ganzen anführen. Monotheistische Heilsbotschaften sind eben ambivalent.

Ein historisches


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige