Der Virtuose des Menschlichen

Der Schweizer Theatermacher Luc Bondy war ein Traumwandler, der das Tragische in spielerische Helligkeit verwandelte. Auch die Theaterstadt Wien hat er mitgeprägt

Nachruf: Sigrid Löffler | Feuilleton | aus FALTER 49/15 vom 02.12.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Lebensleichtigkeit und Menschenfreude kann vielleicht nur jemand derart anmutig zelebrieren, der in jungen Jahren dem Tod schon so nahe kam. Luc Bondy kämpfte als 25-Jähriger erstmals gegen den Krebs und hielt ihn Jahre später ein zweites Mal in Schach, mit viel Glück, viel Medizin und viel Mozart-Musik.

Mit Mozart wurden seine Bühnenarbeiten auch immer wieder verglichen – in ihrer schwebenden Grazie, ihrem Charme, ihrer formbewussten Eleganz, ihrer lichten Schwerelosigkeit, die das Dunkle, das Abgründige, das Tragische nie verleugnete, es jedoch in spielerische Helligkeit zu verwandeln wusste.

Immer war diese Helligkeit in seinen Inszenierungen spürbar der Melancholie abgewonnen, doch „es gibt bei Luc nichts Tragisches, das nicht auch komisch wäre“. So Gert Voss, der 2007 am Burgtheater Bondys betörender König Lear war – ein zarter, toller Irrwisch von königlich-kindlicher Verrücktheit in einer meisterhaften Inszenierung, in der Grausamkeit, Gier, Schmerz und Wahnsinn sich so spielerisch und leichthändig mit Zartheit, Liebe, Humor und abgründiger Komik verbanden, dass diese Shakespeare-Arbeit zum gemeinsamen Triumph zweier genialer Theaterkünstler wurde.

Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl inklusive Online-Zugang, um diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext zu lesen.
Holen Sie sich hier Ihren Online-Zugang und lesen Sie diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext.

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem FALTER-Abo-Onlinezugang.

Passwort vergessen?

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige