Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 49/15 vom 02.12.2015

Pop

Grimes: Art Angels

Drogenrausch und digitales Heimwerkerinnentum, Neurowissenschaft und Geisterbeschwörung, Micky-Maus-Gesang und Laptop-Tralala: die kanadische Musikerin Grimes grätschte als überspannte Nervensäge in die Popwelt ein und avancierte damit umgehend zum Liebkind aller Hipsterbloggersuperchecker. Das aufwendiger produzierte vierte Album soll Grimes endültig zum Star machen. Es klingt, wie sich das Leben im digitalen Zeitalter anfühlt: knallbunt und scheinspektakulär, letztlich aber auch öd und leer. (4AD) GS

Pop

Udo Jürgens: Best of Live Tourneehöhepunkte 2

Bald ist Udo Jürgens ein Jahr tot. Er fehlt. Seine Plattenfirma veröffentlicht pünktlich zum Weihnachtsgeschäft eine Doppel-CD mit Live-Aufnahmen aus fünf Jahrzehnten. Hardcore-Fans brauchen sie sowieso. Mit dem Werk weniger Vertraute liegen hier aber auch richtig, bieten die 32 Lieder doch nicht nur Bewährtes. Es finden sich auch linkes Gedankengut ("Lieb Vaterland"), ein Vatikan-Diss ("Gehet hin und vermehret euch") sowie das wunderbar unsentimentale Trennungslied "Lebe wohl mein halbes Leben".(Sony) SF

Musik-X

Studio Dan &A. Heginger: Eine letzte Art Chansons

Schreibt der große österreichische Komponist Friedrich Cerha (Jg. 1926) Chansons, geht es nicht um Melancholie, Schönklang und Charme, sondern um formale Strenge, Experiment und Verdichtung. Aber es geht auch um Wortwitz respektive Schmäh nicht zu knapp: In seinen 72 teils nur wenige Sekunden langen Stücken tauchen unter anderem Texte der Wiener Gruppe auf, in kontrollierter Expressivität interpretiert von Agnes Heginger, die von Klavier, Perkussion und Kontrabass vital begleitet wird. (Jazzwerkstatt) GS


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