Buch der Stunde

Heiterkeit, Wahrheit und Entzücken

Feuilleton | Erich Klein | aus FALTER 49/15 vom 02.12.2015

William Wordsworth (1770- 1840) war gerade 23, als er während einer Deutschlandreise beschloss, sein eigenes Dichterwerden nachzudichten. Das 8000 Blankverse lange "Gedicht, noch ohne Titel, für S. T. Coleridge" steht im Gefolge der Versepen von Homer über Dante bis Milton und beansprucht, als "philosophisches Gedicht" seine Zeit in Gedanken zu fassen.

Das kurze Eingangsgeplänkel über die Kindheit in der nordwestenglischen Grafschaft Cumberland steigert sich rasch zu hyperromantischer Erkenntnis. Pastorale Idyllen wechseln sich mit Gedankenlyrik ab, erzählerische Passagen gehen über in Polemik oder persönliche Epistel, Grundtenor des Ganzen ist die Aufforderung, "Kinds-Empfindsamkeit, das große Geburtsrecht unsrer Existenz", zu pflegen.

Wordsworth beschreibt Kinderspiele, die erste Lektüre von Cervantes und Shakespeare, Schulbesuch, dann die erste Reise nach London, es folgt das Studium in Cambridge. Der Dichter weiß: "Ich war ein Freibürger", mokiert sich aber auch über das


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