Menschen

Ohne Leben

Falters Zoo | LUKAS MATZINGER | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015

Einige hundert Menschen ohne Leben haben sich am Abend bei der Wiener U-Bahn-Station Schottentor eingefunden, wo nach einem Jahr Pause eine Rolltreppe jetzt wieder fährt", hat der Anchorman der Nation Armin Wolf in der ZiB2 gesagt und dabei sein Leben verwendet, um über diese Menschen zu berichten. Tatsächlich haben sich vergangenen Dienstag viele vor allem junge Wiener in der U2-Station Schottentor, nahe der Uni, eingefunden, um die Wiederaufnahme des Betriebs einer wegen Wasserschadens ein Jahr lang stillgestandenen Rolltreppe zu bejubeln. Sie tranken und tanzten und es war eigentlich ganz lustig. Veranstalter war ein gewisser "Herr Winer", der gagreiche Interviews gab. Gesehen wurden auch der Nationalratsabgeordnete der Neos Niko Alm und massig viele Kameras forscher Stadtreporter. Humorig zeigten sich zunächst die Wiener Linien, die mitspielten, ihren Pressesprecher schickten, der wirklich Answer Lang heißt, Schokolade verteilten und mit dem "Veranstalter" das feierliche Eröffnungsband durchschnitten. Bald ließen sie die Station aber wegen Überfüllung sperren. Es kam alles in allem zu knapp 100 Anzeigen.

Aber Niko Alm hatte noch einen Termin, an diesem 1. Dezember. Der Verband Österreichischer Zeitungen nämlich lud zum traditionellen Adventempfang auf die Markisen-geschützte Terrasse des Cafè Landtmann. Und man will sich die werte Presse ja nicht vergrämen. Das dachten sich auch seine Parlamentskollegen wenig verschiedener Couleur: Werner Kogler (Grüne), Hans Jörg Schelling, Andrä Rupprechter und Rouven Ertlschweiger (alle ÖVP) kamen und trafen dort bei Heißgetränken und kleinen weihnachtlichen Naschereien unter anderen auf die Journalisten Eva Weissenberger (News), Kathrin Zechner (ORF), Rainer Nowak (Presse) und Hermann Petz (Buchautor). Ein Gipfeltreffen im Wiener Regen - für Österreich.

Es passiert nicht alle Tage, dass ein Formel-1-Weltmeister diese Stadt beehrt. Aber keine Sorge, ist eh diese Woche auch nicht passiert. Weil den Weltmeistertitel bringt er einfach nicht zusammen, der Nico Rosberg. Er kam jetzt trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, wenige Tage nach dem Saisonschluss in Abu Dhabi nach Österreich. Der deutsche Schmuckmacher und große Sponsor Rosbergs Thomas Sabo hat im Park Hyatt Hotel seine Frühjahrs-und Sommerkollektion vorgestellt. Und da war Seitenblicke-mäßig echt so einiges im Köcher. Neben dem hübschen Rennfahrer und dem eher grobschlächtigen Ketterlpapst Sabo kamen des Rolling-Stones-Sängers Tochter Georgia May Jagger, der Endlich-wieder-Prinz Hubertus Hohenlohe samt ulkiger Sofortbildkamera, die Schauspielerin Sonja Kirchberger, die Medienmacherin Uschi Fellner, das Topmodel Papis Loveday, und Thomas Kirchgrabner, der so etwas wie Büroleiter von Lena Hoschek ist. Der Saal war schön, aber es glänzte so arg, dass es weh tat.

Einen internationalen Ästhetikwettbewerb in der Wiener Marx-Halle im dritten Bezirk auszurichten, ist irgendwie gar nicht so viel weniger ironisch, als die Neuinbetriebnahme einer Rolltreppe zu feiern. Und sie taten es doch: Missen aus 93 Ländern sind dort am Krampustag vor 1000 Gästen zum Finale der "Miss Earth"-Kür angetreten. Eric Papilaya sang ein eigens für den Abend komponiertes Lied. Gewonnen hat die Teilnehmerin aus den Philippinen. Sie heißt Angelia Ong, ist 25, eh sehr schön und studiert Marketing in Manila. Und sie ist eine "Beauty for a Cause", weil sie sich für Umwelt-und Klimaschutz einsetzt. Die österreichische Teilnehmerin Sophie Totzauer kam immerhin unter die Top acht. Auch nicht uninteressant: 13 der 15 jährlichen Miss-Earth-Finalshows wurden bisher auf den Philippinen ausgetragen. Die jetzt nicht, dafür hat eine Philippinerin gewonnen. Alles klar.


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