Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Huck Finn

Ein Koffeindrink, bei dem die Knie weich werden

Stadtleben | MS | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015

Es gibt bereits so viele Möglichkeiten, Koffein zu sich zu nehmen. Warum um Himmels Willen braucht man eine neue Variante? Es geht diesmal um den "Mindrefresher" Huck Finn. Fallen Sie bloß nicht auf seine niedliche Aufmachung herein (weiß mit schwarzen Zeichnungen). Die 250-Milliliter-Einwegglasflasche wirkt nur beim flüchtigen Blick hübsch.

Näher betrachtet kann man schon den Schrecken erahnen, der sich in der Gurgel breitmachen wird -es sind zu viele kitschige Elemente platziert. Der "teilentrahmte" Milchdrink ist mit allerlei koffeinhältigen Extrakten versehen. Merkwürdigerweise baute sich nach dem ersten Schluck in Gedanken ein mehrstöckiges Pensionistenheim auf. Das ist zugegebenermaßen eine skurrile Assoziation. Berechtigt sie zu Beschuldigungen? Ja und nein. Vielleicht liegt es an der sonderbaren Mischung aus Milch und Kräutern, die verwendet wurden und angeblich "Deinen Geist erfrischen, stimulieren und inspirieren". Man sollte den Käufer nicht mit "Du" anreden und erst recht nicht, wenn man einen Drink herstellt, der einem die Nackenhaare aufstellt. Weiter geht es mit "Erfrisch Deinen Geist, sei mutig, lass Dir nichts verbieten, leb Deine Freiheit und genieß die Abenteuer des Alltags. Mit jedem Schluck." Schluck. Aber vielleicht sollte man keine missmutigen Kolumnen schreiben und jene Drinks einfach auslassen, die einem nicht zusagen.

Es sind wohl die Gesetze des Kapitalismus, immer wieder Neues erfinden zu müssen. Funktionieren müsste es schon.


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