Film Neu im Kino

Von Indien nach Amerika: "Umrika"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015

In Amerika haben sie diese Kalorien. Sie tun sie in alle Speisen und werden davon ganz dick." Viele Gerüchte über die USA kursieren im indischen Dorf Jitvapur der 1970er-Jahre. Alle Bewohner finden sich ein, wenn ein neuer Brief von Udai ankommt. Die mit Zeitungsfotos bestückten Nachrichten des jungen Mannes, der nach Umrika - Amerika - auswanderte, versetzt die ärmliche Landbevölkerung in Staunen. Udais kleiner Bruder Ramakant wächst mit dem Mythos des verheißungsvollen Orts auf, in dem es Wassertoiletten gibt und die Kühe rund sind.

Zum Mann geworden, muss Ramakant den Tod seines Vaters verschmerzen -und das Platzen eines Traums: Er findet heraus, dass sein Vater die Briefe schrieb, um seine Mutter über das Schweigen ihres Sohnes hinwegzutrösten. Ramakant fährt nach Mumbai, um die Spur seines verschwundenen Bruders aufzustöbern.

Prashant Nairs "Umrika" steht zu Beginn der Komödie nahe, wird jedoch zunehmend ernster, wie die bunten Farben kühlen Blautönen weichen, sobald Ramakant ("Life of Pi"-Hauptdarsteller Suraj Sharma) in der Stadt lebt. Hier versucht er Kontakt zum zwielichtigen Patel herzustellen, an den sich auch Udai einst gewandt hatte.

Während im Folgenden an der Oberfläche wenig Spektakuläres passiert - Ramakant arbeitet als Botenfahrer, verliebt sich und sucht weiter nach seinem Bruder -, spinnt das Drama ein feines Geflecht komplexer Themen: Diese reichen von den Vorstellungen, die Menschen sich von fernen Ländern machen über die Bande und Fesseln von Familie und Tradition bis zum Gewicht von Lebensträumen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Mit seinem eindringlichen Ende ist "Umrika" trotz seiner Einbettung in die 1980er-Jahre auch ein zeitloses Werk über Emigration.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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