Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Wien bekommt ein Vinzi-Dorf: Sozialisierung unter Sozis

Politik | LUKAS MATZINGER | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015

In Wien muss niemand auf der Straße schlafen", steht stolz auf einem Plakat der Wiener SPÖ. Tatsächlich gibt es in der Stadt, von Not-und Übergangslösungen abgesehen, alleine 20 betreute Häuser, in denen wohnungslose Menschen für länger oder für immer bleiben können. Trotzdem gehen jede Nacht noch Dutzende auf Wiener Straßen schlafen -aus unterschiedlichen Gründen. Manche davon könnten kommendes Jahr mit dem Bau des Wiener Vinzi-Dorfs Geschichte sein. 24 Männer sollen auf den Marianneum-Gründen in Hetzendorf/Meidling einziehen; Österreicher oder anspruchsberechtigte Ausländer, von denen jeder seinen eigenen Wohnblock bekommt.

Sie zahlen einen kleinen Teil ihres Einkommens an die Vinzi-Gemeinschaft und bekommen dafür Essen und Betreuung, wenn sie die brauchen. Sonst kommt ein Vinzi-Dorf, vom Gewaltverbot abgesehen, ohne viele Regeln aus -ganz nach dem Grazer Vorbild. 23 Jahre ist es jetzt her, dass Wolfgang Pucher mit seinem Konzept Vinzi-Dorf in Graz neue Wege beschritten hat. Dort dürfen die Männer trinken, so viel sie wollen, und müssen nicht an Resozialisierungsmaßnahmen teilnehmen. Sie dürfen, wie sie können.

Seit 2002 hat Wolfgang Pucher jetzt mit Wiener Behörden und Gerichten um den Standort in der Hauptstadt gerungen und gegen Widerstände von Anrainern und Politik gekämpft. Für die Meidlinger SPÖ etwa ist sein Konzept nicht zeitgemäß. Sie sehen es nicht gern, wenn die Menschen dort "mehr oder weniger sich selbst überlassen sind", sagt der stellvertretende Bezirksvorsteher Wilfried Zankl. Und dass das geplante "Dorf" direkt neben einem Kindergarten und einer Schule steht, missfällt den Anrainern.

Auch in Graz hat es vor 25 Jahren Gegenwind vonseiten der Anrainer und der Gemeinde gegeben. Auch dort steht das Vinzi-Dorf seit 23 Jahren neben einem Kindergarten und einer Schule. Gründerpfarrer Pucher hat für sein Engagement das Silberne Ehrenzeichen der Republik bekommen.


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