Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Kalte Küche in Spielfeld

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015

Bundesheer liefert ab sofort 3000 Essensportionen täglich nach Spielfeld", verkündete das Verteidigungsministerium am 25. November. Essen gebe es von 18 bis 22 Uhr -eine Einschränkung gegenüber der ganztägig warmen Küche von The Welcoming Organisation, aber immerhin würde der Staat endlich diese Aufgabe übernehmen. Der Ministeriumssprecher twitterte dazu ein Foto eines kochenden Soldaten. Tatsächlich wurde zumindest bis Montag kein einziges Essen ausgegeben, wie der Falter herausfand. Freiwillige berichten, niemand habe je ein solches Essen gesehen, dafür aber am 28. November hungrige Menschen. An diesem Tag waren abends laut Polizeimeldung 1537 Flüchtlinge vor Ort, drei Tage vorher 521. Die Recherche offenbart Chaos und Widersprüche. Selbst das Verteidigungsministerium kann nicht sagen, ob das Heer jemals warmes Essen ausgegeben hat. Es liefere bloß, was das Innenministerium (BMI) bestelle.

Im Gespräch mit diesem wird klar, dass das Einvernehmen zwischen beiden überschaubar ist. Jedenfalls "ist die Feldküche noch nie aktiviert worden", bestätigt die steirische Einsatzleitung der Polizei. Wer darüber entscheidet? Die Polizei "in Absprache mit Heer und Rotem Kreuz". Für die zwei Tage, an denen die vielen Menschen in Spielfeld waren, habe man "keinen Bedarf" gesehen. Warum, könne man nicht sagen. Das weiß dafür das Heeresministerium: Das BMI stimme sich mit Slowenien ab. Wenn die Leute dort schon etwas bekommen haben, gebe es in Spielfeld nichts mehr.

Das hat bei der Ankündigung niemand erwähnt. Es hieß: "täglich 3000". Auch sagte niemand, dass das Feldküchen-Bild nur ein Symbolbild war.


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