Die Schattenseiten des Schweizer Selbstverständnisses

Der Züricher Historiker Jakob Tanner zerlegt den Mythos von der Schweiz als Ur-Demokratie, den die Rechtspopulisten so gerne feiern

REZENSION: RUDOLF WALTHER | Politik | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015

Weitherum gilt der Nationalstaat nach wie vor als eine Art "Normal"- oder "Naturzustand". Historisch ist das eine ganz unhaltbare Vorstellung, denn Nationen werden "gemacht" und verdanken ihre Langlebigkeit nicht zuletzt der Tatsache, dass der profane Entstehungsprozess mit allerlei heroisch unterlegten Legenden und frommen Mythen verschönert wird.

Ein geradezu exemplarischer Fall ist in dieser Hinsicht die Schweiz. Als der Schweizer Schriftsteller und Essayist Lukas Bärfuss ein paar Schweizer Lebenslügen unter dem Titel "Die Schweiz ist des Wahnsinns" attackierte, improvisierte der historisch ahnungslose Roger Köppel, Besitzer, Chefredakteur und medialer Jagdhund der rechtspopulistisch-reaktionären "Schweizerischen Volkspartei" des Milliardärs Christoph Blocher, über die angeblich "jahrhundertealte Demokratie".

Ohne patriotische Vernebelung betrachtet, ist die Schweizer Demokratie keine 200 Jahre alt, 1848 entstanden nach einem kurzen Bürgerkrieg.

Die helvetische Demokratie von 1848

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