Stadtrand Urbanismuskolumne

Wien darf nicht Berlin werden

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015

Glaubt man dem deutschen Feuilleton, dann ist Wien ja neuerdings the place to be. So stand unlängst im Zeit-Magazin zu lesen, dass "die Berliner, Hamburger oder Münchner, die schon da waren, erzählen, dass Wien die einzige Stadt sei, in die sie ohne guten Grund ziehen würden. Einfach nur, weil es dort so schön sei." Super Sache, das. Dieses neue Wien wirkt durch die Augen der ausländischen Huldiger betrachtet auch ganz schön exotisch und toll. Ob diese Wien-Aficionados wohl auch mal die Innenstadt, MQ und Klein-Berlin aka Neubau und Freihausviertel verlassen und sich -abgesehen vom Weidinger -in der Stadt umgeschaut haben? In Simmering, Favoriten, Transdanubien?

Natürlich darf in der Klischeesammlung auch die sagenhafte Wiener Gemütlichkeit nicht fehlen: Zeit spiele hier keine Rolle. Der bestellte Kaffee komme eine halbe Stunde später. In der Realität ist es aber doch eher so, dass das vielleicht in irgendwelchen verblasenen Berliner Cafés reingeht, weil dort alle Welt tiefenentspannt ist. In Wien hingegen heißt's in so einem Fall: "Heast, zah an!"


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