Killer zum Knuddeln

Klug und virtuos: Autor Jan Koneffke arbeitet in einem Roman die abscheuliche Jugend seines Vaters auf

BUCHKRITIK: TOBIAS HEYL | Feuilleton | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015

Da stirbt ein Vater. Der Sohn sortiert seine Hinterlassenschaften, und als er glaubt, nun sei alles erledigt, erreicht ihn verstörende Post. Ein Jugendfreund des Vaters schickt ihm Briefe aus den Kriegsjahren, und plötzlich erscheint der freundliche Vater in einem erschreckenden Licht: "Ich las Vaters Kriegsschilderungen mit tiefem Entsetzen."

"Wesentlich schlimmer als seine Geschichten, unmenschlich, beklemmend und schauderhaft, war Vaters Sprache, von abscheulicher Rohheit und irrer Begeisterung. (...) Ich brachte den Jungen aus den Briefen, leichtsinnig und grimmig, nicht mit meinem Vater zusammen, diesem klugen, bescheidenen, warmherzigen Menschen."

So ähnlich muss es Jan Koneffke ergangen sein, nachdem sein Vater, ein linker, kritischer Professor der Pädagogik, 2008 im Alter von 80 Jahren gestorben war. Damals war gerade der erste Band seiner Chronik der Familie Kannmacher erschienen, "Eine nie vergessene Geschichte", an deren Ende bereits auch sein Vater auftritt, damals noch als

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