Jahresrückblick der Staatskünstler: Böse Spitzen mit feiner Klinge

Feuilleton | KRITIK: STEFANIE PANZENBÖCK | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015

Das Jahr 2015 macht es Kabarettisten nicht unbedingt schwer, Themen zu finden. Die drei "Staatskünstler" Florian Scheuba, Robert Palfrader und Thomas Maurer schöpfen in ihrem Jahresrückblick im Wiener Rabenhof aus dem Vollen - und brillieren sowohl live als auch in den eingespielten Videobeiträgen.

Sie helfen etwa dem burgenländischen Landeshauptmann Hans Niessl ("Uhudler-Orban") bei der Überwachung der Bevölkerung im Ort Kittsee. In knallroten Jacken mit der Aufschrift "Sicher nicht nicht sicher" halten sie Auto-und Radfahrer auf, verlangen Fingerabdrücke und Speichelproben mit entwaffnenden Argumenten: "Wissen Sie, was der Bürgermeister von New York gesagt hat? Die Bronx darf nicht Kittsee werden!" Die traurige Erfolgsbilanz: Niemand widersetzt sich der Kontrolle.

Satirische Prügel bekommt, wie gewohnt, auch der ORF. Für das geplante Frühfernsehen ab März drehten Scheuba, Palfrader und Maurer gleich einmal Pilotfolgen mit folgenden Ingredienzien: ein langweiliges Kaff irgendwo in Niederösterreich und ein allmächtiger Landeshauptmann, der sich über unkritische Fragen freut.

Die Staatskünstler streifen galant, aber mit bitterbösen Spitzen durch die Absurditäten des Jahres. Von der Flüchtlingspolitik ("Die Bundesregierung erinnerte an ein chloroformiertes Murmeltier, das in der Mitte des Winterschlafs von einem Schlaganfall heimgesucht wird") über die Causa Hypo bis zur Personalsituation des Team Stronach ("Weil's wuascht is").

Nur die neue schwarz-blaue oberösterreichische Landesregierung bleibt außen vor, mit folgender Erklärung: Eine Frauenquote wie im Vatikan, ein ehemaliger Religionslehrer als Landeshauptmann und das Integrationsressort in der Zuständigkeit der FPÖ. "Da kennan Sie si die Witz selber machen, da brauchen's uns net dazua."

Stimmt und stimmt auch wieder nicht. Ohne die Staatskünstler als innenpolitische Satiriker würde der österreichischen Kabarettszene eine wesentliche Facette fehlen.

Termine: 13., 15., 18., 31.12. im Rabenhof


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