Wahr und gut und schön: Eine TiB'sche Familienaufstellung bei alten Rechten

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015

Nein, nicht nur in der Wählerstatistik gibt es sie, bei FPÖ-Veranstaltungen oder in Thomas Bernhards Texten: nationalkonservative Bürgerliche, in deren Gründerzeitwohnungen oder -villen dunkle Möbelpolitur den Glanz alter Tage hochhält. Manchmal steht "Mein Kampf" noch im Bücherregal, meistens liest man Zur Zeit, der Leopold Stocker Verlag ist sehr beliebt sowie Literatur zwischen Peter Rosegger und Jan van Helsing. Für das Theater im Bahnhof ist das ein Reibebaum, über den sich leicht lästern ließe - siehe Thomas Bernhard. Doch das TiB geht es in "Wahr und gut und schön" unter der Regie von Ed Hauswirth anders an und bastelt eine "Komödie rechts der Mitte". Die Schauspieler des Ensembles und als Gast Saladin Dellers lassen sich auf gestrig getunte Lebensgeschichten ein, die tragisch und zugleich vertraut erscheinen, bauen Nähe auf, geben der Rechten Gesichter. Wie nahe, fragen sie, stehen wir diesen Menschen und ihrem Wertekanon, der den scheinbar nächstliegenden Antagonismus zur eigenen Weltsicht repräsentiert. Wer wo steht, wird dann auch ganz wörtlich in Familienaufstellungsbilder übertragen, wodurch man frei nach Bert Hellinger die Transzendierung des, nun ja, Bauchgefühls veranschaulicht. Mit oft feinem, manchmal billigem Witz tänzelt das Ensemble durch Sprach-und Rollenbrüche, wobei für TiB'sche Verhältnisse viel Schauspiel passiert. Obwohl das nicht immer gleich gut aufgeht, gelangt die Inszenierung zu einer humoristisch ausgestalteten Präzision, die nicht zufällig an Hauswirths Erfolgsregie "Der diskrete Charme der smarten Menschen" im TAG gemahnt. Empfehlung!

Theater im Bahnhof, Fr, Sa, jeweils 20.00


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