Kunst Kritik

Frauen am liebsten mit der Hand im Schoß

Lexikon | NS | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015

Sie waren echte Frauenversteher: Das ist die Erkenntnis, die uns die hochkarätig bestückte Schau "Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen" im Belvedere mit den gezeigten Damenporträts, Mutter- und Paarbildern, allegorischen Darstellungen und vielen, vielen Akten mitgeben will.

Die "Frauenfrage" hätte um die Jahrhundertwende niemanden kalt gelassen und so wären auch die Bildnisse der drei heimischen Malerstars - quasi implizit - als Produkt der Reibung am Emanzipationsstreben zu lesen. Die Schwerpunktsetzung nach Genre und Motiv ist konventionell, dafür bekommen die Dargestellten eine eigene Stimme. In der Ich-Form stellen sich Adele Bloch-Bauer oder Edith Schiele in Wandtexten und an Audiostationen vor. "Ich sehe mich als moderne Frau", steht neben dem Bildnis von Johanna Staude - warum nicht: "Ich bin eine moderne Frau"? Über derlei Details stolpert man immer wieder in dieser Schau, die in Wahrheit nur vorgibt, eine kritische Haltung gegenüber ihren Meistern einzunehmen. So drücken sich die Kuratoren auch um jegliche Einschätzung der Pädophilie-Problematik jener Epoche.

Für die Schau sprechen die tollen Leihgaben und die Hängung, die Differenz und Wiederholung verdeutlicht. Dank der Ko-Kuratorin Jane Kallir kommen Bilder wie "Die rote Hostie" aus New York, das provokante Schiele-Selbstporträt mit Riesenpenis, ein Verweis auf die japanische Shunga-Erotik. Kokoschkas kantige Frauenbilder bleiben an Intensität hinter denen seiner Kollegen zurück. Von "unterschwelliger, männlicher Angst" spricht Kallir, die per Knopfdruck auf einem Screen über die Schau spricht. Wie mit Frauen damals umgesprungen wurde, erzählt das Porträt Trude Engel: Schieles Zahnarzt vereinbarte als Honorar ein Bild seiner Tochter. Aber der Maler belästigte das Mädchen und die Porträtsitzungen wurden abgebrochen.

Belvedere, bis 28.2.2016


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