Tiere

Worthülsen

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015


Das Ende ist nah! Nicht nur ängstlichen Menschen, sondern auch kleinen Tierfreunden wie meinereinem hilft gegen diese dräuende Unsicherheit, die vom Ende des Jahres verursacht wird, ein Blick in den Kalender der United Nations, der internationale Tage, Wochen und Jahre ausruft. Die Themen für 2016 appellieren an das limbische System (20. März: Tag des Glücklichseins), propagieren fantastische Utopien (1. bis 7. Februar: Woche der Interreligiösen Harmonie) und fokussieren auf Früchte, die sich bei der Reife sowohl an der Bauch- als auch an der Rückennaht öffnen (Jahr der Hülsenfrüchte).

Die diesjährige Jahreswidmung ist eine botanische Herausforderung, denn die UN hält sich an die Definition der Welternährungsorganisation FAO, die dabei keine grün geernteten Leguminosen zulässt und somit Fisolen und Erbsen von der Hülsenfruchtexistenz ausschließt. Egal, dieser Umstand bereitet nur einer sehr kleinen Gruppe von Pflanzenanatomen Kopfzerbrechen. Ich hingegen hadere mit dem Umstand, dass 2016 eigentlich zum Jahr der Kamele werden sollte. Kalenderhersteller haben die schönsten Alpacas, Vikunias und Dromedare abfotografiert, Bäckereien ein- und zweihöckrige Keksformen bestellt und bei mir stapeln sich ebenso hoch Kolumnen über Lamas wie Kamelhaardecken bei Textilfirmen. Doch dann wurde plötzlich eine völlig andere Gruppe von Lebewesen zum Leitmotiv des kommenden Jahres erhoben. Was ist da passiert?

Dazu muss man die besonders hypertrophe Bürokratie internationaler Organisationen kennen. Bolivien reichte erst 2014 seine Petition für das „Year of Cameloids“ bei der UN ein. Das Anliegen wurde auf eine Vorschlagsliste gesetzt und veröffentlicht. Aber. Dann. Dieser Vorschlag wurde protokollgemäß verschiedenen Komitees vorgelegt, die darüber beratschlagen, ob die Familie der Kamele wirklich weltweite Bedeutung besitze (ca. 25 Millionen Zuchtkamele), ob sie wirtschaftliche Bedeutung habe (in Afrika kommen sieben Prozent der Milchproduktion von Kamelen) oder ob die Tiergruppe religiöse Gefühle verletzt (es wird daher nie ein UN-Jahr der Schweine geben). Als gelernter Österreicher weiß man natürlich, dass solche Ernennungsprozesse Zeit brauchen und die diversen Ausschüsse und Arbeitsgruppen in der UN noch immer mit der Begutachtung beschäftigt sind. Na gut, dann schreib ich nächste Jahr halt über den Speisebohnenkäfer.


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