Musiktheater Kritik

Gestylte Posen in einer Familiengruft

Lexikon | HR | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015

Tommaso Traetta komponierte 1772 in St. Petersburg eine Reformoper, die in der Musik aber kaum an Gluck heranreicht. Der russische Regisseur Vasily Barkhatov inszenierte sie in der Ahnengruft der Familie des Tyrannen Kreon. Antigone und ihre Schwester Ismene lässt er in gestyltem Outfit wie zwei "starke" Frauen auftreten, ihre Posen und Gesten bleiben aber konventionell, es fehlt an stilistischem Raffinement. Viktorija Bakan mit ihrem leicht dunklen Sopran agierte mit expressiver Widerständigkeit, die gut zur Antigone passt, Natalia Kawalek gab die Ismene mit lyrischem, selbstbewussten Mezzo, angetan mit Lederjacke und engem Rock. Stimmlich am herausragendsten war Countertenor Jake Arditti als Emone. Eine sensationelle Wiederentdeckung ist die Oper aber nicht.

Kammeroper, Fr, Di, Do 19.00


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