"Es wird ein ziemliches Chaos"

Der Nino aus Wien veröffentlicht eine Werkschau und spielt gleich drei Konzerte im Rhiz

Lexikon | Interview: Gerhard Stöger | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015


Foto: Andreas Jakwerth

Foto: Andreas Jakwerth

Als Nino Mandl alias Der Nino aus Wien Ende 2008 sein Debüt veröffentlichte, war der junge Mann mit der nasalen Stimme und den wackeligen Liedern ein schrulliger Vogel. Heute zählt der 28-Jährige längst zu den bedeutendsten österreichischen Songwritern seiner Generation. Das mit Ernst Molden eingespielte Coveralbum „Unser Österreich“ landete heuer auf Platz drei der Hitparade, nun blickt Mandl mit „Immer noch besser als Spinat“ aufs bisherige Nino-Schaffen zurück und spielt drei Abende lang im Rhiz.

Falter: Sie haben heuer vor allem alten Austropop gesungen. Wie wirkt sich das aufs eigene Schaffen aus?

Nino Mandl: 2015 war tatsächlich mein Cover- und Duo-Konzertjahr, das Liederschreiben habe ich dadurch aber nicht verlernt. Es ist sogar deutlich mehr entstanden als 2014. Als Überbrückung zum nächsten Album werden am 1. April fünf dieser neuen Lieder als EP erscheinen, damit ich so etwas auch einmal gemacht habe.

Mit gerade einmal 28 Jahren legen Sie jetzt Ihre erste Werkschau vor. Wie sind Sie an die Sache herangegangen?

Mandl: Ein bisschen mit dem Schalk im Nacken, die Unvollendetheit war mir wichtig. Es ist weder mein Lieblingslied „Zimmer zu vermieten“ drauf noch „Bäume“, das ich für das beste halte. Dafür gibt es auch Unveröffentlichtes und eine Liveaufnahme. Es ist ein sehr lockerer Umgang mit dem „Best of“-Thema, aber interessant zu hören. Schön ist, dass diese Lieder jetzt auf Vinyl erhältlich sind, und das Cover eignet sich super zum Signieren und Draufzeichnen.

Sie sind da mit Ihrer Gitarre im
alten Rapid-Stadion zu sehen.

Mandl: Die Musik-Website They Shoot Music hatte die tolle Idee, uns dort zu filmen, wie wir vor leeren Rängen im Schnee spielen. Als Rapid-Fan fand ich das natürlich gut. Umgekehrt gilt das offenbar nicht: SK Rapid hat meine Session gepostet, aber ich habe noch nie so viele gemeine Kommentare bekommen wie da. Ich würde die Ehre des Stadions zerstören, hieß es.

Was für Musik mögen Rapid-Fans?

Mandl: Die White Stripes hören sie gern, denn immer, wenn ein Tor fällt, wird deren „Seven Nation Army“ eingespielt. Ich frage mich ja, welches Wanda-Lied am besten ins Stadion passen würde. Wenn es vier zu null für Rapid steht wohl „1, 2, 3, 4“.

2014 waren Wanda noch Ihre Vorgruppe. Überrascht Sie der Erfolg?

Mandl: Nein. Ich habe immer gesagt, dass sie urgroß werden, und jetzt kriegt man eben mit, was „groß“ eigentlich bedeutet. Mich freut das sehr, und ihr zweites Album mag ich sogar noch mehr als das erste. „Mona Lisa der Lobau“ ist das schönste Lied der letzten hundert Jahre oder so.

Was halten Sie von der aktuellen Aufregung um die Popstadt Wien?

Mandl: Der große Artikel im Zeit-Magazin war ein bisschen sehr komisch. Thomas Glavinic, der Bukowski von Wien? Naja. Ich war aber gerade in Deutschland auf Tour, und da schwärmen tatsächlich alle von Wien und wollen am liebsten herziehen. Es ist lustig, was die Leute für Vorstellungen haben: dass es hier ur abgeht, dass man den ganzen Tag nur sauft, überall raucht und auf der Straße alle „Amore“ singen. Für mich ist Wien in erster Linie eine unaufgeregte und gerade auch für Musikanten angenehme Stadt, aber das war vor zehn Jahren nicht anders. Nur gab es damals halt die großen Vorzeige-Bands nicht.

Wie kommt es, dass Sie „Immer noch besser als Spinat“ mit drei kleinen Auftritten im Rhiz präsentieren?

Mandl: Ich wollte einfach wieder einmal dort spielen, weil ich das Rhiz so gerne mag. Die drei Tage sollen vor allem ein nettes Fest werden. Die Nino-aus-Wien-Band wird auftreten, aber es werden auch Spezialgäste dabei sein, und es wird Performances von Leuten geben, die ich mag. Es wird ein ziemliches Chaos, glaube ich. Es kann vieles passieren, und es kann auch passieren, dass nicht das passiert, was passieren soll.

Am Ende der Werkschau steht Falcos Drogenhymne „Ganz Wien“. Was fällt Ihnen zum Stichwort Heroin ein?

Mandl: Na servus. Heroin ist ein Opiat, ein Schmerzmittel für alte Menschen mit schlimmen Schmerzen. Jungen gesunden Menschen ist das wirklich nicht zu empfehlen. Obwohl Heroin in Wien durchaus verbreitet ist.

Alkohol?

Mandl: Ich mag weißen Spritzer irrsinnig gerne, aber wenn ich zu viel trinke, bin ich weit weg von dem, wo ich eigentlich sein will. Es gibt Leute, die macht Alkohol noch netter, freundlicher und charmanter, aber ich werde dumm, wenn ich zu viel trinke.

Und schließlich: Spinat?

Mandl: Ich hasse Cremespinat, weiß mittlerweile aber, dass frischer Blattspinat schon seine Qualitäten hat. Als Spinat-Lachs-Lasagne etwa. Das Album müsste eigentlich „Immer noch besser als Cremespinat“ heißen.

Der-Nino-aus-Wien-Festspiele: Rhiz, So–Di 21.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige