Ausstellung Vernissage

Verwegene Blümchen und hoher Komfort

Lexikon | NS | aus FALTER 50/15 vom 09.12.2015

Die von ihm entworfenen Muster sind unverkennbar: Weniger die Formen von Josef Franks Möbeln, als vielmehr seine bunt-floralen Dekors für Tapeten, Vorhänge und Fauteuils sind absolut charakteristisch. Mit seiner lässigen Herangehensweise ans Wohnen saß der 1885 in Baden geborene Architekt zwischen den Stühlen. Modernistische Stildiktate waren ihm zuwider, was aber nicht heißt, dass er nicht genaue Vorstellungen hatte. Mit der Schau "Josef Frank: Against Design" würdigt das Mak den 1933 nach Schweden ausgewanderten Gestalter, der hierzulande viel zu wenig bekannt ist.

Frank folgte keiner Strömung seiner Zeit, er entwarf ab den späten 1920ern Einfamilienhäuser ebenso wie Villen oder sozialen Wohnbau. Sein Haus Beer zählt neben Adolf Loos' Haus Moller zu den wichtigsten Privatbauten jener Dekade. Ab 1932 übernahm er die künstlerische Leitung der Wiener Werkbundsiedlung und bewies mit den eingeladenen Architekten Offenheit für gestalterische Pluralität. Sein Zugang wird in der Schau mit ähnlichen Ansätzen anderer Architekten verglichen.

Das Mak schlägt den Bogen vom Architekten zum Gestalter komfortabler Innenräume. Die Idee des Gesamtkunstwerks lehnte Frank ebenso ab wie die Dogmen des Bauhauses oder des International Style. Er verfolgte einen nicht auf Repräsentation, sondern auf Individualität zielenden "Wohlfühl"-Wohnstil. Im Zuge der Schau konnte das Mak die 1910 entworfene Einrichtung für die Wohnung Tedesko erwerben.

Rund 70 Wohninterieurs hat Josef Frank in Österreich und Schweden gestaltet, und natürlich spielt auch sein an der Natur orientiertes Textildesign eine Rolle. Nicht weniger als 200 Muster- und 1000 Möbelentwürfe hat der "Anti-Designer" hinterlassen.

Mak, Di 19.00, bis 3.4.


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