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Herr Chenouda, woher nehmen die Kopten das Geld?

Politik | Interview: Nina Brnada | aus FALTER 51/15 vom 16.12.2015

Maria vom Siege, das wuchtige Kirchengebäude am Mariahilfer Gürtel, wird verschenkt. Samt einem Zinshaus in der Selzergasse geht es von der katholischen Erzdiözese Wien an koptische Christen. Rund 10.000 Kopten leben in Österreich, sie stammen aus Ägypten, ihre Gemeinschaft ist eine der ältesten christlichen Kirchen überhaupt. Weil Bischof Anba Gabriel derzeit in Ägypten weilt, sprach mit dem Falter sein weltlicher Vertreter Samir Chenouda.

Warum bekommen die Kopten Maria vom Siege und die Serben nicht, die sich dafür vor einigen Jahren interessierten?

Im Gegensatz zu den Serben wollen wir an der Gestaltung der Kirche weder innen noch außen etwas verändern. Unseren koptischen Altar werden wir auf der Seite aufstellen.

Die Kopten als neue Besitzer werden diese stark renovierungsbedürft ige Kirche erhalten müssen. Woher soll dafür das Geld kommen?

Wir werden die Sanierung durch Spenden unserer Gemeindemitglieder finanzieren. Das wird natürlich nicht von heute auf morgen gehen. Mauern und Böden sind in einem sehr schlechten Zustand. Wir werden uns mit dem Bundesdenkmalamt absprechen müssen, was da möglich sein wird.

Rechnen Sie mit Spenden aus dem Ausland?

Eigentlich nicht, denn die wirtschaftliche Situation in Ägypten ist sehr schlecht.

Nicht einmal die Erzdiözese Wien konnte die Finanzierung für dieses Kirchengebäude stemmen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass wir Kopten eine alte Kirche vor dem Verfall retten. In Währing in der Martinstraße etwa haben wir eine Kirche saniert, ebenso das St.-Antonius-Kloster im niederösterreichischen Obersiebenbrunn. Früher war es in Besitz von Prinz Eugen, wir haben es von den katholischen Ordensschwestern Zum guten Hirten übernommen. Heute leben dort zehn koptische Mönche.


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