Tanz ums Glück. Kasimir und Karoline am Schauspielhaus Graz

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 51/15 vom 16.12.2015

Leicht schräg senkt sich die Wies' n zu den Zuschauern hin, ein Kunstrasenfußballfeld, das abwärts kippt (Ausstattung Peter Schickert), darauf tanzen Ödön von Horváths Schicksalspaare verzweifelt vereint und doch einsam wie je zu lauten Popkrachern im 1980er-Sound (Musik: Christof Ressi). Regisseur Dominic Friedel hat "Kasimir und Karoline" aus dem Zeitund Lokalkolorit geschält, um die Traurigkeit des lärmenden Oktoberfests in die Soundsuppe einer Großraumdisco zu werfen.

Der Rest ist Reduktion. Es braucht auch nichts mehr, um die triste Bilderwelt einer an die Wand gedrückten Liebe aus diesen Dialogen wachsen zu lassen. Mit Nico Link und Sarah Sophie Meyer in den Hauptrollen und einem auch sonst beglückend verspielten Ensemble entwickelt der berühmte Text eine durch und durch gegenwärtige Präsenz. Jeder hat in diesem Spiel seinen starken Auftritt, selbst die Souffleuse.

Franz Xaver Zach beschert dem Abend mehrere todkomische Momente, Silvana Veit reißt mit einer Solo-Interpretation des Nine-Inch-Nails-Songs "Hurt" das schwarze Loch der Leere auf, um das Horváth-Figuren tanzen. Und Sarah Sophia Meyer unterstreicht das spröde Schlussbild, das sie im halbdunklen Abseits zeigt, mit viel Schweigen. Die Wirkung dieser verhaltenen Theaterästhetik fordert ein höchst neugieriges Hinsehen und -lauschen. Die Fokussierung auf die dramatische Qualität der einzelnen Szene belastet aber auch das große Ganze: Trotz aller Beats findet der Abend seinen Rhythmus nicht. Dennoch - die Neugier zahlt sich aus.

Schauspielhaus, Graz, Di, 19.30 Uhr


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