Braver Bürger, böser Bürger

China führte ein "soziales Kreditsystem" ein: Wer beim richtigen Händler einkauft und das Regime auf Social Media lobt, darf ins Ausland reisen. Müssen wir uns fürchten?

WARNUNG: ADRIAN LOBE | Medien | aus FALTER 51/15 vom 16.12.2015


Illustration: Jochen Schievink

Illustration: Jochen Schievink

Vor rund 70 Jahren schrieb George Orwell seinen bahnbrechenden Roman „1984“ über die Dystopie eines Überwachungsstaates, der seine Bürger knechtet. 2013 erklomm „The Circle“ von Dave Eggers die internationalen Bestsellerlisten – ein Roman über einen Internetkonzern, der die Nutzer gläsern macht, überwacht und sozial kontrolliert. Das Social Credit System (SCS), das die chinesische Staatsführung vor kurzem eingeführt hat, klingt nach einer kruden Mischung aus beiden Romanen.

SCS ist ein Reputationssystem, bei dem jeder Bürger einen Punktestand (Score) erhält – er reicht von 350 bis 950. Der Wert berechnet sich nach der Kreditwürdigkeit, der politischen Meinung und Social-Media-Aktivitäten. SCS verknüpft Daten von Banken, E-Commerce-Seiten und sozialen Netzwerken wie Weibo. Wohin man geht, was man kauft, wie viele Strafpunkte man auf dem Führerschein hat – all das wird erfasst und an die Identifikationsnummer gekoppelt. Verwaltet wird das System von dem Versandriesen Alibaba und dem Onlinekonzern Tencent, die alle sozialen Netzwerke in China betreiben und deshalb Zugang zu gigantischen Datenmengen und Sozialkontakten haben.

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