Die schöne Welt von gestern

Kontrollierte Eleganz: Regisseur Todd Haynes erzählt in "Carol" von einer lesbischen Liebe in den 50ern

FILMKRITIK: MICHAEL OMASTA | Feuilleton | aus FALTER 51/15 vom 16.12.2015

Es beginnt mit dem Ende. Carol und Therese haben sich auf einen Drink verabredet, doch noch bevor sie richtig ins Gespräch kommen, taucht ein Bekannter auf, um Therese zu einer Party abzuholen. Die beiden Frauen verabschieden sich voneinander. Carol geht telefonieren, Therese steigt zu ihren Freunden in den Wagen; gedankenverloren schweift ihr Blick aus einem der Seitenfenster - das nun flugs zum Fenster zur Vergangenheit wird.

"Carol" erzählt die Geschichte einer lesbischen Liebe in Form einer großangelegten Rückblende. Schauplatz ist das vorweihnachtliche New York des Jahres 1952. Carol (Cate Blanchett), eine Dame der besseren Gesellschaft, lernt in der Spielwarenabteilung eines Kaufhauses die junge Therese (Rooney Mara) kennen. Statt einer Puppe empfiehlt Therese ihr als Geschenk für ihre Tochter eine Spielzeugeisenbahn. Und wie zufällig lässt Carol dann ihre Handschuhe auf dem Kontor liegen.

Regisseur Todd Haynes setzt die Sprache dieser "verbotenen Liebe" mit größter Delikatesse

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