Film Neu im Kino

Betörendes Viermäderlhaus "Unsere kleine Schwester"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 51/15 vom 16.12.2015

Die Krankenschwester Sachi, die Bankangestellte Yoshino und die Verkäuferin Chika, drei Schwestern, die gemeinsam ein Haus im japanischen Küstenort Kamakura bewohnen, fahren zum Begräbnis ihres Vaters. Hier lernen sie ihre 13-jährige Halbschwester Suzu kennen, für deren Mutter der Vater einst seine erste Familie verließ. Nun eine Waise, lebt Suzu bei der dritten Frau ihres Vaters, mit der sie sich nicht gut versteht. So nimmt sie Sachis spontanes Angebot, ins schwesterliche Haus zu ziehen, dankbar an.

In Hirokazu Koreedas "Unsere kleine Schwester", das auf Akimi Yoshidas Manga "Umimachi Diary" basiert, vergehen etwa zwei Jahre. Eine Zeit, in der der Alltag mit vielen gemeinsamen Mahlzeiten, beruflichen Entwicklungen, Schulfreundschaften Suzus, Liebesbeziehungen, Streitigkeiten, Gedenkritualen und einem Todesfall geschildert wird und in der die vier zusammenwachsen. Je näher sie sich kommen, desto mehr kristallisieren sich die familiären Konflikte heraus, die zur Entstehung der Schwestern-WG geführt haben und mit denen sie sich nun neuerlich auseinandersetzen.

Mit seinem zurückhaltenden Ton weiß "Unsere kleine Schwester" diese Dramen berührend zu erzählen - kennt man die Hauptfiguren doch am Ende schon so gut, dass wenige Worte und Gesten ausreichen, um zu verstehen, wie sehr Erinnerungen, Verletzungen und die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit mit der Gegenwart verwoben sind. Das Meeresrauschen, der selbstgemachte Pflaumenwein, die Kirschblüten, der Hausaltar, der Kimono der Großmutter, das Lieblingsessen, jedes Detail atmet die Familiengeschichte und mit ihr die Heimat - sowohl Kamakura als auch jene, die die Schwestern einander geben. Ein sanfter, versöhnlicher, wunderschöner Film zum Genießen.

Ab Fr im Stadtkino im Künstlerhaus (OmU)


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