Enthusiasmuskolumne Diesmal: die besten alten Musikvideos der Welt der Woche

Mit den Beatles durch die Sixties

GERHARD STÖGER | Feuilleton | aus FALTER 51/15 vom 16.12.2015

Papa", setzte meine elfjährige Tochter kürzlich etwas zögerlich an, und ihr Gesichtsausdruck machte klar: Gleich kommt da etwas Wohlüberlegtes , Gewichtiges. "Papa, ich glaube, ich bin jetzt mehr Beatles-Fan als Wanda-Fan!" An der Musik der Fab Four lag das nur in zweiter Linie, die mochte sie schon lange. Schuld an der neuen Begeisterung sind deren Videos.

Kaum ein Jahr vergeht, in dem kein Beatles-Produkt fürs Weihnachtsgeschäft erscheint. Heuer sind es eben bewegte Bilder, und einmal mehr bewahrheitet sich die alte Regel: Man braucht vielleicht nicht alles, was in Sachen Beatles so herausgebracht wird, das meiste aber doch. Die Box "1+" ergänzt das Album mit den 27 Nummer-1-Hits um die Videos zu diesen Songs sowie - daher das "+" im Titel - einer Bonus-DVD mit 23 weiteren Clips, Alternativversionen, noch mehr Klassikern ("Strawberry Fields Forever","A Day in the Life" usw.), aber auch weniger Bekanntem, "Hey Bulldog" etwa oder dem Buddy-Holly-Cover "Words of Love".

Zum großen kleinen Glück genügen bereits die 27 Hit-Clips. Da treffen wir die unschuldig-süßen Schulbuben in den frühen Schwarz-Weiß-Liveaufnahmen, da sind die Momente, in denen geblödelt wird, und andere, die Geschichte schreiben. Da wachsen die Haare, da sprießen die Bärte, und die Sixties rauschen im Schnelldurchlauf vorbei. In "All You Need Is Love" schunkeln prominente Freunde wie Mick Jagger mit, in "Hey Jude" verfallen hunderte Komparsen in einen kollektiven Glückstaumel, und "Let It Be" schließlich, im Jänner 1969 keine sechs Jahre nach dem ersten Video gedreht, zeigt John, Paul, George und Ringo um so viel mehr als nur diese sechs Jahre gealtert.

Man muss kein elfjähriger Wanda-Fan sein, um berührt und begeistert auf diese Videos zu reagieren.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige