Mediaforschung Verführungskolumne

Das Spiel mit der Öffentlichkeit und die CO2-Nebelgranaten

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 51/15 vom 16.12.2015

Der Skandal, in den VW mit manipulierten Abgasprüfungen geschlittert ist, vermasselte dem Konzern das Jahr. Der Vorstand verkündete nun, dass er einen Teil seiner Fliegerflotte verkaufe, mit der die Manager bisher um die Welt gejettet waren. Die Bosse wollen damit öffentlich zeigen, dass sie ihren Teil am Konzernumbau beisteuern, der durch den Imageverlust nötig wird. Die Devise: mehr Ehrlichkeit, mehr Sensibilität für die Umwelt. Wie schön!

Während des Weltklimagipfels hing ein VW-Plakat in Paris. "Es tut uns leid, dass wir erwischt wurden", stand darauf, "nun versuchen wir dir vorzumachen, dass wir uns um die Umwelt kümmern." Das VW-Plakat war eine Fälschung, es stammte von Umweltschutzaktivisten. Doch sie irren. Der VW-Konzern, zu dem auch Porsche gehört, ist zwar zu reuigen Schuldeingeständnissen bereit. Aber die neue Porsche-Werbung huldigt nach wie vor ohne Genierer der CO2-Dreckschleudertradition. Im Spot boxt der junge Muhammad Ali gegen seinen Doppelgänger, Tennisstar Maria Sharapova und Schachweltmeister Magnus Carlsen spielen gegen sich selbst. "Größe kommt von innen. Indem du gegen dich antrittst", sagt der Sprecher. Derweil fahren zwei Porsche aus der Garage, rasen los und duellieren sich vor einer Bergkulisse.

Schließlich schlägt Ali Ali k.o., Sharapova besiegt Sharapova, Carlsen setzt Carlsen matt, das Auto fährt dem Auto vor. "Der Porsche ist der einzige Wagen, der einen Porsche schlagen kann." Erhebend! Der Spot macht echt Lust, aufs Gas zu steigen. Wie schön!


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