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Pressekolumne

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015

Zweitausendfünfzehn war das Jahr, in dem wir lernten, was "Lügenpresse" heißt, und - kein Wunder - in dem auch die Grenzen zwischen Satire und Realität endgültig verschwammen. Das beste Beispiel dafür lieferte die Weltwoche mit ihrem Cover. Zu sehen war Sepp Blatter, der korrupte Fifa-Chef. Dazu titelten die Zürcher, deren Chefredakteur Roger Köppl für die rechtsnationale SVP inzwischen im Schweizer Nationalrat sitzt: "Schweizer des Jahres .Sepp Blatters dornenvoller Kampf für eine bessere Welt".

War das nun ernst gemeint? Oder selbstironisch? So sehr driften die Sichtweisen über das, was richtig und falsch ist, inzwischen auseinander, dass man sich gar nicht mehr sicher sein kann, was eigentlich die Weltwoche-Macher bezweckten.

Wirklich hart, diese radikale Unübersichtlichkeit. Erst recht für jene, die das "System" der Wohlmeinenden und Gutmenschen doch nur verlässlich provozieren wollen. Wenn nicht einmal das gelingt, was dann?


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