Kommentar Kulturpolitik

Aufputz und Anhängsel: Die unterschätzte Kulturpolitik

Falter & Meinung | STEFANIE PANZENBÖCK | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015

Als Maria Fekter 2014 Kultursprecherin der ÖVP wurde, freute sie sich, "nur noch Wohlfühltermine" wahrnehmen zu dürfen. Als ehemalige Innenministerin musste ihr die Kulturpolitik wie eine Wellnessoase erschienen sein. Eine fatale Fehleinschätzung, mit der sie nicht allein dasteht.

Kulturpolitik galt lange Zeit als Anhängsel anderer Ressorts oder als Aufputz für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens wie Sozial-oder Wirtschaftspolitik.

Das führte dazu, dass die Zuständigen entweder keine Zeit für die Vorgänge in Theatern und Museen hatten oder lieber auf Premieren gingen, als die Bilanzen hin und wieder unter die Lupe zu nehmen.

Doch gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass sich unter dem Mantel der Kunst ähnliche Missstände ausbreiten wie in anderen Politikfeldern: unfaire Machtkämpfe, Skandale, Korruption und persönliche Eitelkeiten. Der Bundestheater-Skandal war der prominenteste Vorfall, doch auch in den Bundesmuseen gab es Malversationen, die viel zu lange als Künstlermarotten abgetan worden waren.

Für die österreichische Kulturpolitik war 2015 ein Jahr der Beruhigung. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) hat, als Krisenmanager des Bundeskanzlers erprobt, Nerven bewahrt und etwa die Bundestheater wieder auf einen guten Weg gebracht.

Der ehemalige Fädenzieher aus der zweiten Reihe hat die Kulturpolitik fest im Griff. Als Regierungskoordinator, der in ständigem Austausch mit den Ministern steht, hat er wohl auch mehr Macht als seine Vorgänger. Er gilt bei Wohlgesinnten als entscheidungsstark, bei Gegnern als unkooperativ. Mit ihm ist die Kulturpolitik in der Realpolitik angekommen.


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