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Die Glosse vom Falter

Falter & Meinung | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015

Schluss mit dem faulen Zauber! In Tokio versammelte sich unlängst eine Gruppe von alleinstehenden Männern, um gegen das kommende Weihnachtsfest zu demonstrieren. In dem Fest der Liebe sehen die Aktivisten ein kapitalistisches Event, lediglich dazu angetan, traurige Individuen zu diskriminieren. "Zerschmettert Weihnachten!", war auf einem der Plakate zu lesen.

Die Japaner können mit der Zustimmung jener rechnen, die gegen den Ausverkauf romantischer Gefühle anagitieren. Die Kommerzialisierung von Weihnachten gehört ja zu den Evergreens der Gesellschaftskritik.

Das Mitleid mit den "Losern bei Frauen" (Selbstbezeichnung) hält sich dennoch in Grenzen. Denn jeder, der einmal am Ritus des 24. Dezember teilgenommen hat, weiß, dass es kein Fest der Inklusion ist. Frustriert steht man unterm Baum und kramt in Geschenken, die sich keiner gewünscht hat. In der Küche sitzt der traurige Vater, dem der Braten misslungen ist. Er weint und sehnt sich nach der Bar, wo die Party der Einsamen stattfindet.


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