Ohren auf Klassik

Beethoven heiter, dazu Brahms und so weiter

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015

Es war ein schwerer Schlag für das Artemis Quartett: Im Sommer verstarb plötzlich Friedemann Weigele, der Bratschist des weltberühmten Ensembles. Seit 2007 hatte er den unverkennbaren Ton des Quartetts mitgeprägt. "Brahms-Quartette Nr. 1 und 3" (Erato) wird dadurch zum Erinnerungsalbum an den Freund und musikalischen Partner. Wieder lässt die Aufnahme den Komponisten, diesmal Brahms, neu entdecken. Es ist höchst anspruchsvolle Musik, komplex, aber nie spröde, weil hier vier Spitzenmusiker am Werk sind, deren nuancenfeines Spiel die Klänge des Spätromantikers in all ihrer Fülle und Intensität auslotet.

Auf dem Weg zur Weltspitze ist das polnische Meccore String Quartet, zu dessen Lehrmeistern unter anderem das Artemis Quartett zählt. Nach dem Debüt mit Werken von Beethoven und Mozart serviert es auf "Claude Debussy & Karol Szymanowski" (Warner Poland) mit den Streichquartetten der beiden Komponisten einen berauschenden impressionistischen Cocktail aus Farben, Rhythmen und Stimmungen. Dazu kommt eine Spielfreude, die selbst Kammermusikmuffel zu Fans macht.

Für gleich drei Soloinstrumente - Klavier, Violine und Violoncello - komponierte Beethoven sein "Tripelkonzert" op. 56, das lange Zeit nicht in den Olymp der genialen Werke des Komponisten eingereiht wurde. Sol Gabetta, Giuliano Carmignola und Dejan Lazić legen nun eine wundervolle Aufnahme vor, "Beethoven Triple Concerto" (Sony Classical). Es macht Spaß, endlich wieder ein wenig von jenem leichten und heiteren Beethoven zu hören, solistisch herausragend interpretiert, ohne je den Blick fürs Ganze zu verlieren. Zum Konzert gesellen sich noch drei Ouvertüren Beethovens, "Die Geschöpfe des Prometheus","Egmont" und "Coriolan"; Giovanni Antonini hält alle klanglichen Fäden zusammen und führt das Kammerorchester Basel zu musikalischen Höhenflügen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige