Mediaforschung Verführungskolumne

Berliner Schule: Mit kuriosem Spot gegen das Schwarzfahren

Medien | Leo Lettmayr | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015

Weil wir dich lieben" heißt die Facebookseite der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die gerade Musik für gebrochene Herzen machen und dabei ihre Kunden daran erinnern, dass sie gerne tolerant sind, nur gegenüber Schwarzfahrern nicht.

So lässt die BVG über ihren "Beauftragten für die Lösung aller Probleme" - den Neuköllner Rapper Kazim Akboga - ausrichten, was ihr alles egal ist ("Mann auf Pferd, ist mir egal! Mann auf Mann, ist mir egal!" "Musik ist laut - ist mir egal"). Mit zwei Millionen Aufrufen auf Youtube wurde der Werbespot "Is mir egal" schnell zum viralen Hit.

Die Maßnahmen gegen Schwarzfahrer, die dem Video vorausgingen, haben die Menschen dabei weniger begeistert. 5,3 Millionen Fahrgäste wurden im Jahr 2014 kontrolliert und 33.723 Strafanzeigen verhängt. Dieses Jahr werden ähnliche Zahlen erwartet. Einen "Ausrutscher" setzte es nur im Jahr 2013, da gab es nur 480 Anzeigen der BVG. Das dürfte aber mit dem Versagen des bis 2013 zuständigen Subunternehmens zu tun haben. Seit die Firma gewechselt wurde, sind die Anzeigen rasant angestiegen.

Der BVG-Spot ist ein Beispiel dafür, dass PR nicht gekünstelt und politisch korrekt sein muss, um zu funktionieren. Die Verkehrsbetriebe wollten etwas Unangenehmes mitteilen, haben es aber bestmöglich verpackt. Die Botschaft, die viele nicht hören wollen, erreicht damit mehr Menschen als auf klassischem Wege. Dass die Dinge, die Kazim egal sind, den Beförderungsrichtlinien widersprechen, ist der BVG übrigens auch egal. Nur Schwarzfahren eben nicht.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige