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Musik: Städtereisen und Erinnerungen eines Popabenteurers

Feuilleton | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015

Der Covertext rattert Zahlen, Daten, Fakten herunter: "24 Städte. 500 Songs. 160 Bands, Solokünstler und Popexperten. 250 Sehenswürdigkeiten." Und tatsächlich: Dieses Buch ist randvoll mit Material, das zwei deutsche Journalisten und Pop-Enthusiasten von Erkundungen in diversen Metropolen mitgebracht haben. Wie klingen Städte, fragen sie - und welche Wechselwirkung besteht zwischen Orten und deren Popkultur? Die Antworten bieten weniger tiefschürfende Analysen als vielmehr kompakte Reportagen mit individuellem Fokus.

Neun Seiten über Detroit, elf über Glasgow, das gleicht eher dicht beschriebenen Postkarten als epischen Briefen - und vermag doch vieles kurzweilig zu vermitteln. Das Wien-Kapitel bringt es auf 20 Seiten, unter anderem waren die Autoren bei Thomas Rabitsch im Studio, mit Peter Kruder auf dem Yppenplatz und mit Wanda, Gustav und dem Nino aus Wien im Café Weidinger. Passt doch! GS

Schulabschluss hat Alexander Hacke keinen, dafür ist er als junger Punk mit 13 erstmals auf Tour gefahren. Einige Jahre später stieg der Autodidakt mit der Berliner Avantgardeband Einstürzende Neubauten zum etwas anderen deutschen Rockstar auf. Seine große Teenagerliebe war Christiane F., der damals gerade clean gewordene berühmteste Junkie Deutschlands; seine Ehe mit Meret Becker machte ihn zum Teil der deutschen Kulturschickeria. Davor, danach und dazwischen gab es tausend Projekte, Begegnungen und kulturelle Abenteuer in aller Welt.

Mit 50 blickt der auch als Filmmusikkomponist bekannte Hacke auf sein Leben zurück, das er nach exzessiven Zeiten nun bewusst nüchtern anlegt. Frei von Verklärungen und Heldenepen erzählt er in sympathisch naivem Tonfall und mit radikal subjektiver Gewichtung - wodurch man hier mehr über Italo-Popstar Gianna Nannini als über Neubauten-Kopf Blixa Bargeld erfährt. Gut so. GS


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