Uhudler-Orbán und Kernölamazonen

Kabarett zum Jahreswechsel: Wo Sie am 31. Dezember noch etwas zu lachen haben

Lexikon | SILVESTEREXPERTISE: STEFANIE PANZENBÖCK UND SARA SCHAUSBERGER | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015


Foto: Juhani Zebra

Foto: Juhani Zebra

Wann feiert ein Kabarettist eigentlich Silvester abseits der Bühne? In Österreich so gut wie nie. Auch heuer laden etwa das Rabenhoftheater oder das Theater am Spittelberg zu launigen Jahresausklängen und -rückblicken.

Besonders anstrengend hat es diesmal Thomas Maurer. Er tritt im Rabenhoftheater gleich dreimal auf, zuerst um 15 sowie um 18 Uhr mit den Staatskünstlern, die in ihrem „Jahresrückblick 2015“ zeigen, was uns wirklich bewegt hat, und dann um 21 Uhr noch mit seinem Soloprogramm „Der Tolerator“.

Maurer, der heuer auch mit dem deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet wurde, ergründet die Grenzen der Toleranz. Muss man Smileys in Kurznachrichten und ausufernde Lebensmittelunverträglichkeiten wirklich hinnehmen? Ja, muss man, aber bei Hasspostings hört sich der Spaß auf, sogar beim Tolerator. Großartiges Kabarett mit Nachdenk-Potenzial!

Die Staatskünstler – neben Maurer stehen Florian Scheuba und Robert Palfrader auf der Bühne – entführen das Publikum in den burgenländischen Überwachungsstaat und helfen dem „Uhudler-Orbán“ Hans Niessl bei der Bürgerbespitzelung: Sie holen sich DNA-Proben und nehmen Fingerabdrücke, und das alles ohne Gegenwehr. Außerdem präsentieren sie Pilotfolgen des im März startenden ORF-Frühfernsehens unter dem Motto „Langweiliger geht’s immer“. Realsatire trifft auf feine Dialoge.

Auch für Florian Scheuba wird es ein arbeitsreicher 31. Dezember. Im Theater Akzent wird der Kabarettist ab 22.45 Uhr mit seinem ersten und grandiosen Soloprogramm „Bilanz mit Frisur“ nicht nur eine Rückschau über die letzten 34 Jahre an der Satire-Front halten, sondern auch einen Blick auf das vergangene Jahr werfen.

Thomas Stipsits und Manuel Rubey haben ebenfalls gleich mehrfach zu tun zum Jahreswechsel. Das Silvesterspecial ihres Programms „Gott & Söhne“ wird zweimal hintereinander im Stadtsaal gezeigt, um 18 und 21 Uhr. Ein Abend über die sieben Todsünden mit durchdachter und verschachtelter Dramaturgie.

Peter Hörmanseder und Robert Stachel von Maschek sprechen in ihrem Jahresrückblick im Gartenbaukino um 18 und 21 Uhr das aus, was Werner Faymann und Konsorten uns das ganze Jahr über verschwiegen haben.

Auch im Konzerthaus geht es lustig zu. Der Ö3-Callboy Gernot Kulis tritt um 16 Uhr mit seinem Comedyprogramm „Kulisionen“ auf, der Körpersprachen-Experte Stefan Verra lüftet ab 22.30 Uhr (Mozart-Saal) in seinem Live-Programm „Ertappt! Körpersprache: Echt männlich. Richtig weiblich“ die Geheimnisse der nonverbalen Kommunikation und bringt außerdem ein paar Neujahrstipps für die richtigen Signale in der Berufs- und Partnersuche mit.

Außerdem steht Klaus Eckels Stück über einen Grafiker, der von aller Welt vergessen über Nacht im Sessellift sitzt, doppelt auf dem Spielplan, um 19 und um 22.30 Uhr (Berio-Saal). „Après Ski“ mit Thomas Mraz in der Hauptrolle vereint Witze über Ärzte auf Pharmakongressen, untreue Ehefrauen und ihre Yoga-Lehrer sowie Tiroler Dorftrottel.

Die beiden Humoristen Christoph Grissemann und Dirk Stermann lesen um 19 Uhr im Mozart-Saal Loriot. Im Programm „Die Ente bleibt draußen!“ erinnert das Duo an bekannte und weniger bekannte Texte des vielseitigen Humoristen. Für die Klavierbegleitung sorgt Philippine Duchateau. Das Programm läuft seit etlichen Jahren und ist zum Dauerbrenner geworden.

Auch schon ein Klassiker ist die Silvester-Lesung von Ernst Jandls Einakter „die humanisten“ der ehemaligen Gruppe 80 in Originalbesetzung, die mittlerweile im schönen alten Beisl Gasthaus Lechner Jahr für Jahr gegeben wird.

Im Schauspielhaus lädt die berühmte Miss Sophie um 20 Uhr zum Party-Warm-up ein. Wer kennt sie nicht, die alte Dame aus dem Film „Dinner for One“ und ihren Butler James, der jeden einzelnen ihrer nicht erschienenen Gäste spielen muss. In „Our Very Best Silvester Special“ allerdings ist James nicht mehr allein, dieses Mal versammeln sich in ihrem Wohnzimmer viele illustre Persönlichkeiten bei Häppchen und Wein.

Im Theater am Spittelberg geben sich die Kernölamazonen um 18 und 22.30 Uhr mit einem „Best of Silvester Special“ die Ehre. Das Kabarettistinnenduo Caroline Athanasiadis und Gudrun Nikodem-Eichenhardt veranstalten einen Streifzug durch ihre Programme der vergangenen Jahre wie „Jagdlust“ und „StadtLand“. Auch ihre bekanntesten Lieder, etwa die steirische Version von „Sexbomb“ oder das Musical-Medley, werden nicht fehlen.

Im Globe Wien, dem Niavarani’schen
Shakespeare-Theater, treten Michael Niavarani, der Linzer Kabarettist
Günther Lainer und der gefeierte Nachwuchs-Kabarettist Otto Jaus um 16 und 21 Uhr in einem „Silvester-Special“ auf. Ihre Ankündigung klingt vielversprechend: „Gibt’s was Öderes als Silvester?“ Für Kabarettisten wahrscheinlich nicht.

Wir freuen uns trotzdem auf einen witzigen Abschluss eines doch eher spaßbefreiten Jahres.


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