Am Apparat Telefonkolumne

Wieso erobert ein Blauer Hohenems, Herr Loewy?

Politik | INTERVIEW: BARBARA TÓTH | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015

Bei der Wiederholung der Bürgermeisterstichwahl hat der umstrittene FPÖ-Mann Dieter Egger (FPÖ) in Hohenems gewonnen. Im Wahlkampf 2009 hatte er den Direktor des Jüdischen Museums, Hanno Loewy, als "Exil-Juden" beschimpft.

Herr Loewy, was ist da los in Hohenems?

In den letzten zwölf Jahren hat sich Hohenems vom Schmuddelkind unter den Vorarlberger Städten zu einem Anziehungspunkt entwickelt. Doch das alles hat lange gedauert und war unendlich mühsam, nicht zuletzt aufgrund von Widerständen, mit denen der blaue Populismus virtuos gespielt hat. Bürgermeister Richard Amann war sicher kein talentierter Verkäufer seiner Politik, er hat lieber etwas getan, statt darüber glanzvoll zu reden. Die Früchte darf jetzt Dieter Egger ernten.

Welche Rolle spielt es, dass Egger gebürtiger Hohenemser ist?

Na ja, nach seinem antisemitischen Ausbruch vor sechs Jahren war seine Landeskarriere im Grunde zu Ende. Nun beginnt er seine Karriere eben in seiner Heimatgemeinde von vorn. Er hat sich bei mir inzwischen öffentlich entschuldigt. Er weiß, dass unsere Arbeit hier im Museum für die Stadt unverzichtbar ist. Ob er nun will oder nicht. Und er wird als Bürgermeister nicht von Polarisierung und "Nein-Sagen" leben können.

Gibt es eine starke Zivilgesellschaft ?

Ja, die gibt es, und auf sie wird es in Zukunft eben noch mehr ankommen als bisher. Der Verkehr im Zentrum ist beruhigt, Shared Space ist durchgesetzt und neue Geschäfte mit Qualität ziehen ein. Daran wird auch Egger nichts mehr ändern. Im Gegenteil, er wird sich dafür feiern lassen. Die eigentliche Nagelprobe wird sein, ob er auch gegenüber Migranten und Flüchtlingen zu Anerkennung und Offenheit findet. Ob der soziale Wohnbau wieder in Schwung kommt, ob Hohenems endlich eine höhere Schule bekommt. Bei all diesen Themen kommt ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem auf ihn zu.


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