Buch der Stunde

Die Kirche der von Udo Jürgens Erleuchteten

Sebastian Fasthuber | Feuilleton | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015

Eine neue Zeitrechnung hat begonnen, seit 21. Dezember 2014 ist die Welt ohne Udo Jürgens. Nach dem schnell hingeschusterten "Merci, Udo" von Gesellschaftsreporter Paul Sahner ist "Mein Jahr ohne Udo Jürgens" von Andreas Maier der erste ernsthafte Versuch, Udo und seiner Bedeutung in Buchform beizukommen.

Lustigerweise geht der Suhrkamp-Autor die Sache ähnlich eitel an wie Sahner, der damit prahlte, wie häufig er Udo über die Jahrzehnte gesprochen hätte. Maier dagegen hat den Sänger nie persönlich kennengelernt und will auch nicht antuschen (höchstens mit seinem Apfelweinkonsum). Seine Eitelkeit ist eine harmlose: Er hört sich einfach selbst sehr gern reden.

Wenn er aber doch auf Udo Jürgens zu sprechen kommt, was immerhin 50 Prozent des Buches ausmacht, hat er etwas zu sagen. Es geht ihm, und das ist sehr schlau, darum, was Udos Musik mit dem Menschen macht. Dass sie ihn durchbeuteln kann "wie fünf Mal Doktor Schiwago am Stück". Er selbst, Jahrgang 1967, war lange Zeit indifferent

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