Theater Kritik

Die alten Knacker und die jungen Frauen

Lexikon | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015

Wie wäre es, wenn Schnitzlers "Anatol" nicht mehr jung, sondern alt ist? Diese Frage haben sich der Autor Peter Turrini und der Regisseur Herbert Föttinger gestellt und eine neue Fassung der Komödie gemacht, die sich wie ein feuchter Altmännertraum über der verstaubt gestalteten Bühne (Walter Vogelweider) ausbreitet. Junge Frauen in Strapsen (Kostüme: Alfred Mayerhofer) werfen sich dem in die Jahre gekommen Anatol an den Hals.

Die Ausgangssituation ist folgende: Der gealterte Anatol (Michael König) und sein Freund Max (Peter Matić) hängen der Vergangenheit nach und sprechen über Anatols verflossene Lieben, die er allesamt "nicht vergessen kann". Und so wird Episode für Episode die Vergangenheit noch einmal erlebt. Schon allein da hinkt die Handlung, Anatol trauert zwar den Damen nach, er erinnert sich aber nicht an die schönen Momente mit ihnen, sondern nur an die blöden.

Im Grunde wurde der Schnitzler-Text nicht viel verändert, er wurde bloß in einen neuen Rahmen gesetzt. Da ist Cora (Alma Hasun), die Anatol hypnotisiert, um herauszufinden, ob sie ihm auch treu ist. Da ist sein Hochzeitsmorgen, an dem er seine Geliebte (Sandra Cervik) noch schnell loswerden muss. Da ist Fritzi (Martina Ebm), die im durchsichtigen Kleid recht sexy und dann verschwunden ist. Besonders schlimm: Vor der Pause kreisen gleich alle Frauen auf einmal aufreizend um den Alten, der sich nicht erwehren kann. Erfrischend ist allein die Szene mit Katharina Straßer als Balletttänzerin Annie, die Austern und Champagner schlürft, während sie mit Anatol Schluss macht. Aber auch das kann diese machoide Inszenierung nicht retten. SS Theater in der Josefstadt, 2., 3.. 7., 11. und 12.1., 19.30


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