Der Lerchenfisch

Und wieder eine Geschäft-Lokal-Kombination, diesmal mit Fisch

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Zuerst Korrektur eines Irrtums: Nicht die AMA betrieb das Restaurant Culinarium Österreich, heute Primi (siehe Falter 49), sondern Privatpersonen nach einem Konzept, das teils von Mitarbeitern der AMA stammte.

So. Man wagte es ja kaum zu hoffen, aber die kulinarische Nahversorger-Kleinstruktur scheint vielleicht doch noch nicht verloren. Ein Eindruck, den man jedenfalls gewinnen kann, wenn man sich anschaut, wie die Massen in die Markterei in der Alten Post strömten, wie sich die Schlangen bei der Theke von Fleischhauer Markus Dormayer in der Marktwirtschaft anstellen oder was die Leute für gutes Brot und außergewöhnliches Gemüse zu tun bereit sind. Supermarkt ist vielleicht doch kein Schicksal.

Jetzt jedenfalls auch Fisch. Fisch ist kein leichtes Thema, enormer Wareneinsatz, enorme Kühllogistik, großes Risiko und ganz wenig Mut beim Konsumenten („wegen die Gräten!“). Trotzdem stritten die frühere Marketingberaterin Petra Goetz-Frisch und Weinhändler Sebastian Slavicek viele Monate mit Behörden und Anrainern, um in der Lerchenfelder Straße ihr Fischgeschäft mit Fischlokal namens Goldfisch eröffnen zu können. Das vergangene Woche seinen Betrieb aufnahm und wirklich bezaubernd ist. Etwa, weil es gut aussieht mit seinen schiefergrauen Tischchen, der offenen Küche und natürlich dem Kernstück, der Vitrine. In der – malerisch beleuchtet – die Felsenbarben, die Austern, die Wolfsbarsche und sogar die Forellen von erschütternder Schönheit sind.

Die Ware ist aber auch wirklich gut, Goetz-Frisch und Slavicek verzichten auf das Großsortiment, holen sich stattdessen ein paar wirklich feine Sachen von dort, wo sie am besten sind: Forellen aus dem Naturpark Kalkalpen, Bio-Branzino von Irena Fonda aus Piran (die beste Branzino-Zucht in Europa), Zuchtkaviar von Walter Grüll aus Salzburg, Jakobsmuscheln und ein paar schöne Adria-Fische vom italienischen Großhändler, Steinbutt und Austern von Eishken Estate.

Auch die Speisekarte ist klein, fein und alles andere als abgehoben: Für eine frischwürzige Fine de Claire Auster zahlt man drei Euro, das ist fair, eine rassige Belon kommt auf vier, das ist sehr fair, für die fette, cremige Markenauster aus dem Haus Gillardeau zahlt man fünf, so ist halt das Leben.

Die Lerchenfelder Fischsuppe mit Safran, nicht allzu viel Obers, köstlich zubereiteten Miesmuscheln, etwas Räucherlachs und anderem Fisch macht Spaß (€ 6,80), das zarte Roastbeef mit Räucherkarpfen-Creme ist eine sehr aparte Vitello-tonnato-Variante (€ 12,90), der gesottene Oktopus mit Rösti, frittiertem Wurzelgemüse und etwas zu neutraler Spinatcreme ließ es noch etwas an Witz mangeln (€ 8,50).

Und am Nebentisch saß tatsächlich ein Ehepaar, das sich die zehn Gramm vom Salzburger Kaviar mit Blini und Wodka nahm (€ 39,90).

Resümee:

Ein hübsches Fischgeschäft, das zugleich ein hübsches, kleines Fischrestaurant ist, das kleine, hübsche Fischgerichte kocht.

Goldfisch
8., Lerchenfelder Str. 16
Tel. 0664/254 95 96
Di–Fr 9.30–19 Sa 9.30–15 Uhr
www.goldfisch.wien


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