Sport Glosse

Wenn José Mourinho Hamlet sein will und Darth Vader ist

Stadtleben | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015

Es tut gut, wenn ein arroganter, unsympathischer, herablassender, selbstverliebter, erfolgreicher Mann nicht weiß, wie ihm geschieht. Chelseas José Mourinho wurde von seinem Lieblingsoligarchen Roman Abramowitsch verabschiedet. Mourinho war immer Kitsch, zu viel Emotion, zu wenig Beherrschung und Form. "I am The Special One", sagte er im Triumph. "Ich habe nichts zu sagen", antwortete er auf Reporterfragen, seit er Chelsea in der Premier League an den Rand des Abstiegs manövriert hatte. Nachdem er gegen den ÖFB-Teamkapitän Christian Fuchs und dessen Klub Leicester verloren hatte, brach es aus ihm heraus. Er fühle sich von den Spielern verraten, sagte er. Sein Fehler? Er war einfach zu gut. In der vergangenen Saison habe er die Hundskicker zum Meistertitel und über ihr Niveau gehoben. Damit könnten sie nicht umgehen. Er ist die Apotheose der modernen Trainergeneration, die sich ihres Genies sicher ist. In England faseln sie, hier handle es sich um ein Shakespeare-Drama. Doch Mourinho ist so weit weg von Hamlet wie die Bank Austria von ihren Kunden. Mourinho fehlt zum Prinzen von Dänemark der Wortschatz und die Selbstironie. Er ist Darth Vader ohne Blechhaube. Nicht zum Anschauen, aber leider geil.


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