Film Neu im Kino

Warnung mit Zwinkern: "Alles unter Kontrolle"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015

Regelmäßig läuft es dem Publikum in diesem Film kalt über den Rücken. Etwa wenn der ehemalige Leiter des britischen Nachrichten-und Sicherheitsdienstes die Bürger mit den Hobbits aus "Herr der Ringe" vergleicht: Sie würden von den Waldläufern an den Grenzen ihres Landes beschützt, ohne überhaupt von der Existenz ihrer Bewacher zu wissen. Wer also sollte die zu Technik erstarrten Waldläufer des heutigen London nicht gutheißen?

In seinem Dokumentarfilm "Alles unter Kontrolle" geht der Wiener Filmemacher Werner Boote dem modernen Überwachungsstaat und der ausufernden Datensammelpraxis nach. Stets im Bild und als Erzähler präsent, jettet er um die Welt, um vom Sicherheitsexperten bis zur Cybercrime-Spezialistin, vom Wissenschaftler bis zum CEO, vom Internetaktivisten bis zum Philosophen und zur Demonstrantin mit naiv-listigen Fragen eine beeindruckende Anzahl an Einschätzungen und Eindrücken zu sammeln. Nur die Mitarbeiter der NSA wollen kein Interview geben. Während Boote fleißig mitmacht -er knipst Selfies, guckt in die 18 Kameras eines Londoner Busses und gibt seine Fingerabdrücke für eine riesige Datenbank in Indien ab -, wird spielerisch per Computerstimme und Grafiken veranschaulicht, welche Spuren er hinterlässt.

"Alles unter Kontrolle" ist ein kurzweiliger -manchmal oberflächlicher, allzu augenzwinkernder -Mix, der Bekanntes zusammenführt, neue Praktiken, etwa aus Asien, zeigt und zum Nach-und Umdenken anregt. Vor allem aber wird deutlich: Niemand weiß, wohin das System sich entwickelt, an dem wir alle partizipieren und mit dem massenhaft Geld verdient wird. Dass angesichts beunruhigender Möglichkeiten und düsterer Zukunftsvisionen viel mehr Vorsicht geboten wäre, steht außer Frage.

Ab Fr in den Kinos


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